Humor ist ein wunderbares Mittel

Ein Interview mit Mary Dunn

Mary ist eine der angesehensten und einflußreichsten Lehrerinnen des Iyengar-Yoga in Amerika.
Das Interview wurde von Frank Hanenkrat geführt und im Original im Iyengar Yoga Institute Review (San Francisco) herausgebracht. Übersetzt und leicht bearbeitet von Michael Forbes

Frank Hanenkrat: Mary, gibt es in deinem Unterricht eine einzige Grundlinie oder -prinzip, ob für Anfänger oder Fortgeschrittene?
Mary Dunn: Ich versuche, den Schülern ein festes und ausreichendes Verständnis der Asanas zu geben. Ich gebe konkrete, körperliche Details, die dem Schüler ermöglichen, seinen Körper besser zu verstehen und ihn besser in die Haltungen zu bringen, um den größtmöglichen Nutzen zu erreichen. Neben den physischen Umrissen der Stellung erkläre ich auch, soweit ich weiß, wie die Stellung als Teil des Lebens verstanden werden kann. Ich möchte, daß es meinen Schülern aufgeht, wie Kraft, Fluidität, Ausgewogenheit, Biegsamkeit, körperliche Harmonie und das Schöpferische in den Stellungen zu verstehen und zu erfahren sind. Durch diese Erfahrung von konkreten, korrekten, subtilen und in dem Moment passenden Details können die Schüler die Stellungen als Darstellungen von Lebenssituationen erleben. Ich nehme das, was ich in den Schülern sehe, filtere es durch mein Verständnis der Stellungen und der Yogaphilosophie und richte es dann wieder auf die Schüler zurück.
Gelingt mir das, dann wird das Üben zu einem heiligen Erlebnis des Erwachens und Verstehens. Das Resultat daraus ist, daß die Übenden die Stellungen klarer sehen und dadurch auch einen Teil vom Leben besser sehen.
Das heißt, daß für dich Yogasanas Metapher für das Leben sind und daß du diese Metapher lehrst, egal auf welchem Level deine Schüler sind?
Aus einer Sicht ist das so, aber die Betonung verlagert sich sicherlich, wenn die Schüler in ihrer Praxis weiterkommen. Bei vielen Yoga-Anfängern herrscht ein ungeheures Staunen über die Entfaltung des Körpers, darüber, daß sie einen Draht finden, der sie mit Stellen verbindet – nie gekannt, unbewußt, unverwirklicht ... Diese Verbindung kann eine solch gewaltige Erfahrung bedeuten, daß das Lehren der ersten Schritte von sich aus sehr viel mit Körperbewußtsein zu tun hat. Während die Stellungen geübt werden, wie ein Musiker seine Tonleiter, lernt der Übende die Rhythmen langsam kennen – die Melodien der Stellungen entstehen spontan. Erst dann ist es angebracht, auf anderen Ebenen zu arbeiten, weil die eine Ebene in dem Schüler schon angefangen hat, sich zu entfalten – die Entdeckung des Körpers hat begonnen.
Man gibt einem Anfänger am Klavier keine Sonate von Beethoven zum Einüben. Genauso ist es auch unpassend, am Anfang die Feinheiten des Yoga zu lehren. Es ist für einen Musikneuling eine wundervolle Leistung, ein simples Lied wie z.B. „Alle meine Entchen“ zu erlernen. Es ist ein Wunder, diese Melodie produzieren zu können, wenn man das vorher nicht konnte. Yoga kann jederzeit den Sinn für Wunder oder wenigstens etwas Wertvolles in dem Schüler hervorrufen. Ein Lehrer kann nichts hervorrufen, nur der Schüler; der Lehrer zeigt aber den Weg.
Als ich das erste Mal bei dir übte, war ich davon beeindruckt, wie du Metapher und Analogie verwendest. Oft hatten sie mit Musik zu tun. Ein Wort dazu?
Ich ziehe meine Analogien aus jeder Art von Erfahrung, nicht nur der Musik. Wenn ich einen Weber in meiner Unterrichtsstunde habe, nehme ich vielleicht von dem, was ich über das Weben weiß. Dann rede ich etwa von der Art, wie die Fäden im Webstuhl durchgezogen sind, von der gleichmäßigen Dehnung der einzelnen Fäden. Öfters gebrauche ich Essen. Das Thema „Essen“ ist ein wunderbares Mittel zur Kommunikation, weil es universal ist; man kann sofort eine riesige Menge Erfahrung anzapfen, die wir alle haben. Analogien bringen uns in Verbindung mit direkter Erfahrung und leiten uns von einer übermäßigen Abhängigkeit vom Intellekt weg – besonders von dem eines anderen. Wenn unsere Seinsweise in direkter Erfahrung verwurzelt ist, dann führt uns die Übertragung von Musik, Essen, Weben, Natur usw. zur direkten Wahrnehmung der Stellung selbst. Der Vorteil dieser Art zu lehren ist nicht nur, daß das Subjekt dadurch bildhafter und lebendiger wird. Die Unterrichtserfahrungen fließen dann in den Erfahrungsschatz der eigenen Praxis. Die Praxis, wenn sie Erfüllung bringen soll, muß auf persönlicher Erfahrung basieren, nicht auf der Anhäufung einzelner intellektueller Punkte.
Zurück zur Musik: Ich bin bestimmt nicht der vollendete Musiker, doch habe ich eine unbändige Liebe zur Musik und ein tiefes Verständnis für sie. Für mich ist Musik ein besonders passendes Mittel, um Stellungen begreifbar zu machen, wegen ihres Bezugs zur Zeit. Musik hat Bedeutung in dem Moment und der Moment besteht fortlaufend. Gleichermaßen bestehen Stellungen im Rahmen der fortwährenden Gegenwart. Noch eins: Musik spricht das Herz direkt an, nicht über den Umweg „Intellekt“. Yoga kommuniziert auch mit unserem tiefsten Selbst.
Wir könnten uns vorstellen, daß Musik viele melodische Fäden enthält, die harmonisch miteinander verflochten sind. Ich glaube, das entspricht den vielen Impulsen in den Füßen, Beinen, Hüften usw., aus denen ein einziges, harmonisches Asana entsteht.
Durchaus! Manchmal kriege ich im Unterricht ein ganzes Orchester zusammen! Wenn ich dann mit der Stellung fertig bin, habe ich den Füßen gelehrt wie Bässe zu spielen, den Fingern wie Pikkoloflöten und sonst noch alles dazwischen. Bis dahin ist alles wach, lebenssprühend, das ganze Orchester spielt mit.
Aber Analogien können aus jeglicher Erfahrung gezogen werden. Gelegentlich lehre ich ein Asana, als ob ich gerade ein Brot backe. Da ist die Reihenfolge der Zutaten wichtig. Nicht wie ein gemischter Salat, wo Blatt, Gurke, Tomate und Paprika beliebig dazugetan werden können. Beim Brot gilt eine Ordnung der Zusammenstellung, damit die Zutaten ihre ganzen Entwicklungsmöglichkeiten ausschöpfen können. So ist es auch in den Stellungen.
Viele Leute kommen zum Yoga über Dukha (Leiden), das entsteht, weil sie auf ein Hindernis oder eine tiefe Unzufriedenheit in ihrem Leben stoßen. Wie bist du zum Yoga gekommen?
Für mich war es ursprünglich nicht Krise oder Konflikt oder Schwierigkeit; Ich kam zum Yoga quasi als Experiment. Meine Mutter ist Yogalehrerin. Obwohl ich zu Hause Yoga noch nicht ernst nahm, war es doch ein Segen, in ein Haus geboren zu werden, wo es Yoga gibt. Später wandte ich mich zum Yoga aus einem vagen Verlangen, eine bestimmte Dimension in meinem Leben zu erfahren. Ich wußte, daß Yoga im Leben meiner Mutter hilfreich und wunderbar gewesen war, und das zog mich an. Jetzt meine ich, daß das vage Verlangen natürlich das der Seele gewesen ist.
Am Anfang meines Yogastudiums – es war keine Praxis; ich ging einmal in der Woche zum Unterricht – war ich zwischen den Unterrichtsstunden nicht so furchtbar engagiert. Ich ging in eine Stunde und tat dann wenig bis zur nächsten. Dann hatte ich das Glück, mit Rama Jyoti Vernon zu lernen, die mir wunderbare Einsicht in die Möglichkeiten des Yoga vermittelte. Rama weckte mein Interesse.
1973 bekam ich die Chance, direkt mit B.K.S. Iyengar in seinem ersten kalifornischen Intensivkurs zu arbeiten. Der dauerte drei Tage, drei Tage vom Morgengrauen bis längst nach Abendrot. Diese drei Tage veränderten mein Leben. Mein ziemlich oberflächliches Interesse an Yoga wurde zu einer tieferen, täglichen Einkehr. Von Anfang an sah ich, daß Mr. Iyengar etwas zu geben hat und dieses „etwas“ auf eine Art und Weise mitteilen kann, die eine magische Transformation im Leben von Menschen hervorrufen kann. Ich sah, daß die Arbeit hart ist und der Weg sicherlich manchmal schwer sein wird. Doch ich sah auch die Belebtheit, Vitalität, Einsicht und offensichtliche innere Sammlung, die er verstanden hat und seinen Schülern vermitteln konnte. Ich sah, daß diese Dinge Bestandteile auch meines Lebens sein könnten. Nachdem Mr. Iyengar Kalifornien besucht hatte und ich bei ihm lernte, wurde meine Praxis viel intensiver; da entstand erst meine Hingabe zum Yoga. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch nicht die Absicht, Lehreri
n zu werden.
Du hast viel Umgang mit Mr. Iyengar gehabt. Wie siehst du ihn als Person und als Lehrer?
In der Tat habe ich Gelegenheit gehabt, Zeit mit Mr. Iyengar zu verbringen. 1976 war ich mit der Gruppe, die ihn nach Yosemite [Nationalpark (MF)] begleitete und dort einige Tage mit ihm blieb. Im Laufe der Jahre habe ich das Glück gehabt, ihm gesellschaftlich und auch persönlich zu begegnen und mich mit ihm über alles Mögliche zu unterhalten – an seinem Institut, bei mir zu Hause ... Ich bin mit ihm bei meiner Mutter gewesen, bemüht, als neue Schülerin bei seiner Praxis mitzumachen. Ich habe auch die Chance gehabt, ins Museum oder ins Konzert zu gehen und diese Erfahrungen mit ihm zu teilen.
Er hat mich sehr beeinflußt, weil er so lebendig ist. Als Lehrer ist er so stark und direkt und er erwartet, daß seine Schüler arbeiten und sich mächtig emporschwingen, wenn er lehrt. Aber er läßt diesen „Löwenaspekt“ seiner Persönlichkeit im Unterricht zurück und ist sonst ein warmer Mensch, der intensiv daran interessiert ist, Einsicht und Kameradschaft zu teilen. Er ist ein wunderbares Modell eines Lehrers, der im Unterricht stark und fordernd sein kann aber sonst ruhig und zugänglich ist, weil es in seiner Natur liegt, für andere da zu sein.
Du fragtest, ob ich von Mr. Iyengar sonst noch irgendwas außer Yoga gelernt habe. Mr. Iyengar lehrt, daß Yoga eine Erfahrung ist, die parallel zum Leben läuft. Darum ist es abwegig zu fragen, ob ich abgesehen von Yoga etwas gelernt habe. In den Stunden, wo er lehrt, lerne ich als Schülerin leben, Lebenserfahrung: wie frei und stark zu sein, wie jeden Bereich meiner Haut zu befreien, wie jeden Knochen zu stärken, wie jeglichen Widerstand loszulassen, wie die Freude, die in mir ist, ungetrübt zu erleben. Und wenn ich all diese Dinge lerne, wie kann ich meinen, von ihm nur Yoga gelernt zu haben?
Es ist unmöglich, das, was Mr. Iyengar mir gegeben hat, ausreichend zu würdigen. Sicher hat er es mir möglich gemacht, daß ich als Lehrerin meinen Lebensunterhalt verdienen kann, aber das ist das wenigste. Er hat mir die Tür zu einer Philosophie geöffnet, mit der ich von Natur aus mitschwinge. Ich muß zwar hart arbeiten, um dieser Philosophie bewußt zu bleiben, aber ihre Wirkung fühlt sich genau richtig an. Ich glaube, seelisch „nach Hause“ gekommen zu sein. Und so nehme ich jede Gelegenheit wahr, meine große Liebe für diesen Lehrer zu bekunden, der mir so viel gegeben hat. Er hat mir die Werkzeuge gegeben, mit denen ich mich entfalten kann. Es ist in meinem Leben etwas ungemein Befriedigendes. Es ist mein Leben.
So sind wir zurück zum „Yoga-als-Metapher-fürs-Leben“ gelangt.
Genau! – Oder zum „Leben-als-Metapher-fürs-Yoga“. Da ist vielleicht etwas zum Überlegen!
Du kennst vielleicht das weitverbreitete Vorurteil, daß Iyengar-Yoga schroff, hart und diktatorisch sei, daß die Schüler Angst hätten, da sie Schmerz oder gar körperliche Verletzung hinnehmen müßten. Ich kenne Leute, die Iyengar-Lehrer meiden, weil sie das glauben. Du, z.B., paßt nicht in dieses Bild. Kannst du dazu etwas sagen?
Mr. Iyengar ist ein starker Lehrer. Er ist auch einer der humansten und mitleidsvollsten Menschen, die ich je gekannt habe. Er hat den Mut, Menschen in ihrem tiefsten Inneren herauszufordern. Viele gerade derjenigen, die von ihm durchs Feuer gezogen worden sind, sagen später, daß sie nur durch die Kraft von Mr. Iyengars Lehren Wesentliches über sich erfahren haben. Ich für meinen Teil, wie ich seine Lehre an die Schüler weitergebe ... ich glaube nicht, daß ich Angst errege. Doch es kommen unzählige Leute und beteuern, „ich habe Angst gehabt, an einem Workshop von dir teilzunehmen, weil ich hörte, du bist so hart. Ich habe gehört, daß du die Stellungen soooo lange hältst“. Dieses Vorurteil ist mir wohl bewußt. Ich meine, daß alle von uns, die nach Mr. Iyengars Methode arbeiten, versuchen, seine Idee von Transformation in den Asanas zu lehren. Sobald ein Lehrer genug gelehrt hat, um dabei selbstsicher und auch entspannt zu sein, dann kommt sein Wesen zum Vorschein in der Art, wie er die Stellungen präsentiert.
Meine Natur ist so, daß ich Austausch mit den Schülern liebe. Dieser Austausch macht mir große Freude und in dieser Freude wächst spontane gute Laune und Spaß im Prozeß des Lehrens selbst.
Beim Lehren schöpfen wir aus unseren Stärken und eine von meinen Stärken ist die Fähigkeit, Lebenserfahrungen ein wenig schräg zu interpretieren. Wenn Schüler bei mir zu sehr in ihren Köpfen sind oder wenn ihre Körper wegen Härte verschlossen bleiben, versuche ich eine Verbindung herzustellen, die eine andere Perspektive über diese Erfahrung gibt, die den Widerstand bricht. Ich fördere ihre Zuversicht durch Aussagen, die manche amüsant finden – eine Art Kasperltheater zur Entspannung. Diese Entspannung bringt uns alle einer weniger gehemmten, freieren Wahrnehmung des Herzens näher. Die Härte des Körpers, die durch den Intellekt verursacht wird, löst sich nach und nach auf, oder das Schlaffe wird straffer. Durch diese Erfahrung können Schüler ein erweitertes Bewußtsein und eine Freiheit in ihren Körpern erreichen, und dann in ihrem ganzen Wesen.
Ich kenne Leute aus anderen Yoga-Traditionen, die behaupten, daß Iyengar-Yoga rein körperlich sei, d.h. nur mit den Asanas beschäftigt. Wie antwortest du darauf?
Meinst du nicht, daß ich in diesem Intensivkurs über spirituelle Dinge geredet habe? Manche denken, Spiritualität sei etwas von uns abgerückt, daß sie „da draußen“ und von unserem täglichen Leben entfernt sei – „nicht von dieser Welt“. Aber spirituelle Dinge sind wir. Wir sind spirituelle Dinge. Wir sind spirituelle Wesen und wenn ich lehre, will ich unbedingt meinen Geist öffnen. Wenn wir frei, offen, entspannt und wachsam sind, wissen wir von Natur aus, was richtig ist; wir kommen mit dem Gott in uns in Kontakt und spüren so den richtigen Weg. Wenn wir uns jedoch durch Mangel oder Überfluß an Selbstvertrauen versteifen, wenn unser Ego nicht zuläßt, daß wir auf unsre Seele hören, dann versucht ein Yogalehrer zu helfen: Der Intellekt soll in den Hintergrund treten und schauen, wo das Ego die Seele blockiert.
Bin ich als Lehrer damit erfolgreich, dann erst lehre ich im eigentlichen Sinn, indem ich die Schüler, die vor mir sind, wirklich sehe. Damit ich sie sehe, muß ich zentriert und empfänglich sein, um sie wahrzunehmen, wie sie sind. Fast per Definition bin ich im Modus der Liebe. Für mich ist das Spiritualität.
Die Arbeit mit den Asanas wird oft als „die-Grenzen-erforschen“ beschrieben. Wie erforschst du gerade die Grenzen in deinem Leben und was sind die Grenzen in deinem Lehren bzw. im sonstigen Leben?
„Die-Grenzen-erforschen“ ist eine häufig verwendete Metapher für die Herausforderungen, die eine Yogapraxis mit sich bringt. Die Herausforderungen sind natürlich nicht nur, um wie viel flexibler, stärker oder flinker kann ich werden? Der Begriff „die Grenzen“ bezieht sich auch darauf, wie viel Disziplin und Freiheit ich von der Yogapraxis in mein Leben integrieren kann. Das ist die Praxis, darum heißt es nicht „Training“ oder „working out“. Diese Praxis heißt „Praxis“, weil sie den Prozeß bedeutet, bei dem die Philosophie des Yoga verinnerlicht und zu einem disziplinierten und konkreten Lebensweg gemacht wird.
Nun möchte ich eine andere Idee anschauen: daß wir uns überlegen, daß Yoga nicht nur das Spiel mit den Grenzen, sondern auch das Öffnen der Mitte sein kann. In meiner eigenen Praxis ist es das Bewußtsein darum, woran ich nun täglich arbeite. Wenn ich in meiner Yogapraxis die Erfahrung machen kann, daß mein Herz offener und empfänglicher wird, dann fließt das in mein sonstiges Leben hinein. Meine Praxis und mein Leben werden eins.
Mr. Iyengar lehrt Amerikaner angeblich mit einer anderen Betonung als Inder wegen kultureller Unterschiede, die in ihren Körpern widergespiegelt werden. Kannst du erklären, wie du wegen kultureller Unterschiede vielleicht anders in New York City lehrst als in Kalifornien?
Ich zögere, für Mr. Iyengar zu sprechen, weil er das so beredt für sich selber tut. Er hat sich aber manchmal allgemein so geäußert, daß Europäer und Amerikaner mehr mechanisch und Inder mehr in Verbindung mit ihren Herzen sind, und wie Amerikaner mehr Härte in ihren Körpern haben. Er lehrt sehr wohl Körperbewußtsein in den Stellungen: diejenige stärken, die Festigkeit brauchen, und Blockaden auflösen, wo Festigkeit zu Panzerung geworden ist.
Was mein Lehren an den beiden Küsten angeht, Kalifornien ist der Ort, wo sich mein Stil entwickelt hat. Manchmal witzle ich dort über die kosmische Natur von Kalifornien; wenn ich im Mittelwesten bin, erwähne ich hin und wieder das kosmische Bewußtsein, tatsächlich oder eingebildet, der Kalifornier. Als ich nach New York zog, wurde ich mit Bemerkungen bombardiert, wie anders es dort sein würde. Dann tauchen auch die Standardvorurteile gegen die New Yorker dazu auf – wir kennen sie gut ... Ich möchte es vielleicht so formulieren (lächelt). Wenn die New Yorker aggressiv und verspannt sind und Angst haben, sich zu entspannen, dann werde ich sie dazu zwingen (Lachen).
Ich finde, Humor ist ein wunderbares, effektives Mittel, um überall Leute zu erreichen. Ich gebrauche ihn nicht nur als Kunstgriff beim Lehren – er ist eben ein Ausdruck meines Wesens. Es dreht sich bei mir aber nicht immer um Humor. Manchmal gebe ich eine Stunde mit wenig Humor und einer großen Menge harter Arbeit; manchmal hat eine Stunde weniger körperliche Arbeit und eine große Menge Loslassen. Humor sieht unterschiedlich aus.


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