Ayam me hasto Bhagavan
Ayam me bhagvattarah
Ayam me visvabheshajah
Ayam me Shivabhimarshanah
Meine Hand ist der Gebieter
Meine Hand segnet ohne Maß
Diese Hand trägt alle Geheimnisse der Heilung
Sie schafft Fülle durch ihren sanften Kontakt

S.F. BIRIA

Das Ölbad - Abhyanga

(Auszug)

Das Ölbad (abhyanga) bildet zusammen mit der Übung (vyayama) die zwei Hauptsäulen der täglichen Routine, die jedes Individuum beachten soll, welches um seine physische und mentale Gesundheit besorgt ist.

Nur wenige der Vedatechniken (Ayurveda), die gleichzeitig schützend und heilend sind, finden tägliche Anwendung bzw. werden ebenso wie in den unterschiedlichen psychologischen und physiologischen Phasen des Lebens eingesetzt. Hierzu gehört die Öltherapie (snehana). Diese kann innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Die klassischen Texte unterteilen die äußerlichen Techniken der Snehana in zehn Kategorien, unter denen Abhyanga die bekannteste ist. Dieser Begriff, dem man in Manu-Smrti (II. 178) begegnet, bedeutet genau gesagt, die weder harte noch sanfte Körpermassage in Wuchsrichtung des Haares.

Auf diese Art bildet er zusammen mit der Übung (vyayama) die zwei Hauptsäulen der täglichen Routine, die jeder beachten soll, der um seine physische und mentale Gesundheit besorgt ist.

[...]

Für Personen, die von Behinderung oder Krankheit betroffen sind, soll die Dauer der Massage durch einen ayurvedischen Mediziner (vaidya) festgelegt werden, denn die Massage ist so, wie wir sie beschreiben, für gesunde Menschen bestimmt. Obwohl Maharsi Caraka sie als Routine (din cara) klassifiziert, bezeichnet Cakrapanidatha Abhyanga in seiner berühmten Abhandlung Cikitsasangrah (häufig Cakradatah genannt) als "Routine für einen gesunden Menschen" (sustha), (LXXIX. 7).

Nach der Massage soll man sich zudecken, sich ausstrecken und 20-60 Minuten warten, bevor man sich wäscht. Gewisse Yoga-Übungen können während dieser Wartezeit geübt werden, jedoch müssen sie unbedingt mit einem erfahrenen Lehrer geübt werden. Nach der Massage kann ein Ubtan verwendet werden. Dies ist eine aus frisch gemahlenem Mehl , Öl und Kräuterpulver oder Kurkuma bestehende Paste. Sein Auftragen in langen Bewegungen nach oben ermöglicht es, das überschüssige Öl zu entfernen und bewahrt gleichzeitig die Feuchtigkeit der Haut während der Wartezeit. Dies ermöglicht auch eine bessere Wasseraufnahme der Haut und ersetzt den Gebrauch eines Shampoos oder von Seife für die Hautreinigung. Die Ubtan können komplizierte Mischungen sein (in der Roten Liste der Vedamedizin existiert eine ganze Schrift). Ganz einfach bereitet man sie aber nach den folgenden Mischverhältnissen zu:
4-8 Teile Mehl von Hülsenfrüchten (besonders Mungobohnen, Kichererbsen, etc.) und in Ermangelung dessen Getreidemehl (Reis, Hirse); 1 Teil Öl, 1/6 Teil Heilpflanzen (Koriander, Fenchel, Asvagandha (Withania somnifera Dunal)) oder besser 1TL Kurkuma.

Dennoch kann man sich ganz einfach mit einem sehr milden Shampoo von Kopf bis Fuß waschen (keine Seife oder Handschuhe verwenden) und sich danach abtrocknen.

Ob man nun Ubtan oder Shampoo benutzt, man muß unbedingt 30 Minuten Savasana nach dem Waschen einhalten. Decken Sie sich nach dem Savasana gut zu, und nehmen Sie ein heißes Getränk zu sich. Gehen Sie gleich darauf nicht nach draußen: die Temperaturveränderungen, die sich auf den Körper auswirken, können Ihnen unangenehme Überraschungen bescheren (z.B. mitten im Sommer unterkühlen). Halten Sie sich bei den ersten Malen den Rest des Tages frei, da der Körper dazu neigt, seine Spannungen und Müdigkeit freizusetzen. Es ist möglich, daß Sie neben einem unwahrscheinlichen äußeren Wohlbefinden körperliche Schwäche verspüren, und daß sich die Wirkung des Abhyanga erst am Folgetag bemerkbar macht.

Es wird absolut abgeraten, nach dem Bad Yogahaltungen und alle anderen Arten der körperlichen Übung zu praktizieren.

[...]

Die Wohltat des Ölbads
  • Es nimmt die Müdigkeit und kräftigt den Körper (saram har);
  • Es reinigt und festigt das Gewebe;
  • Es erhöht die Muskelspannkraft und die Körperkraft (pusti kar);
  • Es vermindert Muskel- und Gelenkschmerzen und macht die Gelenke geschmeidig (vata hara oder vata gnha);
  • Es verbessert den Blutkreislauf und schafft eine Empfindung der Leichtigkeit im Körper;
  • Es reinigt die Haut und verbessert ihren Teint und ihre Struktur (mrij varn bal prad);
  • Es festigt und stärkt sie gegen Hautinfektionen (tvak dridhkara);
  • Es hat eine stärkende Wirkung auf das Nervensystem (vata samak);
  • Es verbessert das Sehvermögen (drsti prasad kara);
  • Es verbessert die Schlafqualität und bekämpft Schlaflosigkeit (swapna kara);
  • Es erhöht den Schutz gegen Wunden und Verletzungen und gibt dem Körper Kraft zu schneller Heilung (abhigat sahatwa);
  • Es erhöht die Immunabwehr des Körpers und des Geistes gegen Krankheit und Schmerz (klesa sahatwa);
  • Es schafft Selbstbewußtsein und verbessert die Willenskraft;
  • Es verlangsamt den Alterungsprozeß und verjüngt das frühzeitig gealterte Gewebe (jara hara);
  • Es fügt viele Jahre zum Leben hinzu und viel Leben zu den Jahren (ayu kara).

Der physiologische und bio-energetische Mechanismus des Ölbads.

1) Nach der Vedamedizin:

[...]

Gegenanzeigen
  • Bei Menschen mit Störungen des Kapha, die nach den internen Reinigungen, wie: Erbrechen, Schröpfen, Einlauf etc. (Panca Karma), (Caraka Samhita I. 5.90) körperlich abbauen.
  • Bei Beginn eines Fiebers kann die Krankheit schwer heilbar oder unheilbar werden.
  • Im Falle von Krankheit aufgrund einer Diät mit warmen Speisen (z.B. bei Fettleibigkeit) darf die Massage ausschließlich nach der Anleitung eines ayurvedischen Arztes (vaidya) durchgeführt werden.
  • Bei Magenverstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden: Die Massage transportiert das Blut in Richtung Haut und Muskeln und hindert das Magen-Darm-System daran, seine entsprechende Funktion auszuführen. Zusätzlich transportiert das verdorbene Blut die durch Fehlfunktion des Magen-Darm-Systems entstandenen Giftstoffe in Richtung Haut und Muskeln, was wiederum zu Komplikationen führt.
  • Während der drei ersten Tage der Regelblutung kann es zu Komplikationen kommen. (nach Sri BKS Iyengar)
  • Während der Schwangerschaft darf kein Druck auf den Bauch und den unteren Bauch ausgeübt werden. Jedoch verhindert die sanfte Praxis von Abhyanga das Entstehen von Schwangerschaftsstreifen auf der Haut.

2) Nach der Bioenergetik des Yoga:

Vom bioenergetischen Standpunkt aus ist es das Hauptziel dieser Massagen, die Marman (oder Marmas), deren Akkupunkturpunkte wie ihre Pendants in der chinesischen Energielehre betrachtet werden können, entspannen, anregen und beleben zu können. Das Wort Marman (etymologisch: Ausdruck) bedeutet in dem Sinne, in welchem es in den alten Texten verwendet wird, den vitalen Punkt. Von den 365 wichtigen Marman des Körpers werden 107 während des Abhyanga angeregt. Von diesen 107 werden 43 als die wichtigsten betrachtet, und von diesen 43 wiederum 18 als die Hauptmarman (Sandilya-Upanisad von Atharvana-Veda, I. 8.1). Das Herz wird als der Schlüsselmarman angesehen.

3) Nach der modernen Physiologie:

[...]

Und nun wünsche ich allen eine gute Abhyanga-Praxis.

Dr. S.F. Biria

Übersetzt von Inka Wißner

Hier einige traditionelle Rezepte, die von den Meistern besonders empfohlen und von den Praktizierenden des Abhyanga sehr geschätzt werden:

Vorzügliche Mischung für Schönheit und
Geschmeidigkeit der Haut:
Sesamöl 100 ml
sanftes Mandelöl 30 ml
Weizenkeimöl 30 ml
Sandelholzöl 50 Tropfen
 
Mischung für junge Paare:
Kokosnußöl 100 ml
sanftes Mandelöl 100 ml
Weizenkeimöl 50 ml
Jasminöl 50 Tropfen
 
Mischung für junge Frauen:
Kokos- oder Sesamöl 50 ml
Weizenkeimöl 10 ml
Sandelholz- oder Jasminöl 25 Tropfen
Mischung für Frauen von 40-50 Jahren:
schwarzes Sesamöl 100 ml
Weizenkeimöl 50 ml
sanftes Mandelöl 10 ml
Sandelholzöl 30 Tropfen
 
Mischung für Frauen über 50 Jahren:
schwarzes Sesamöl 100 ml
Kokosnußöl 25 ml
Weizenkeimöl 10 ml
Sandelholzöl 30 Tropfen
 
Mischung für Männer:
Senföl 100 ml
Weizenkeimöl 10 ml
Sandelholzöl 25 Tropfen
   

© Das Foto ist aus dem DuMont's Handbuch: "Aromatherapie - Massage - Yoga" von McGilvery, Reed und Mehta


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