Light as a Feather

Bericht über einen Workshop mit Mary Dunn

von Peter Beham

Leicht wie eine Feder eigentlich etwas vermessen von mir, diesen Bericht so zu nennen, denn meine Art, Asanas auszuführen, läßt kaum Vergleiche mit einer Feder zu. Doch Mary Dunn, seit über 20 Jahren Iyengar-Yoga-Lehrerin und Leiterin des Iyengar-Yoga-Studios in New York hat mir auf faszinierende Weise eine Idee davon vermittelt, daß eine harmonische Ausführung von Asanas nicht immer das Ergebnis jahrelanger, schweißtreibender Schinderei sein muß, sondern zum Teil auch sehr leicht erreicht werden kann. Zentrales Erlebnis dafür war für mich Mary's Demonstration von Pincha Mayurasana, der Pfauen-Stellung. Sie zeigte zum einen, wie die Stellung aussieht, wenn sie aus dem Kopf heraus angegangen wird, quasi mit Hau-Ruck, "da will ich jetzt hoch". Das Ergebnis sah etwas verspannt aus. Anschließend zeigte sie die gleiche Stellung, ohne den Kopf so sehr zu benutzen, ihn sogar explizit etwas zwischen den Schultern nach unten sinken zu lassen und das "Gehirn" der Übung damit nach oben, zwischen die Schultern wandern zu lassen. Die Ausführung der Übung gewann mit dieser Ausrichtung eine Leichtigkeit, so daß sie ohne viel Phantasie das Aufsteigen von Pfauenfedern erkennen ließ. Mit großem Erstaunen konnte ich feststellen, daß ich diese Leichtigkeit, zumindest tendenziell, in meiner eigenen Übung sofort nachvollziehen konnte.

Mary's Unterricht an diesem Wochenende zeichnete sich weniger durch eine große Bandbreite von Asanas, sondern mehr durch intensive Detailarbeit in den Grundstellungen des Iyengar-Yoga aus. Was auffiel, war ihr schier unermüdliches Bemühen, keine Ruhe zu geben, ehe nicht auch der letzte von uns Teilnehmern begriffen hatte, was ihr Anliegen in der ein oder anderen Haltung war. So kam es vor, daß sie unseren euphorischen Hund noch im Hochkommen wieder abwürgte, weil einige entscheidende Punkte noch nicht richtig umgesetzt wurden. Aber gerade dieses vermeintliche Verzögern von Übungen wirkte sich bei mir sehr positiv aus, denn ich wurde wieder und wieder dazu angehalten, mich auf neue Ansätze wirklich einzulassen und zu versuchen, sie umzusetzen anstatt etwas zu hören, abzuhaken und schließlich die Stellung doch wieder so zu machen, wie ich sie immer mache.

Mary's sonniges Gemüt und ihre Art, schwierige Yoga-Stellungen mit Hilfe ihrer Erfahrungen als Hausfrau und Mutter anschaulich zu machen, sorgten immer für gute Stimmung. Es wurde viel gelacht und es gab keine Unterichtseinheit, die nicht zumindest um eine halbe Stunde überzogen wurde. Großen Wert legte Mary auch auf die Vermittlung der Yoga-Philosophie in den Asanas. Während wir Utthita Trikonasana übten, erklärte sie das Prinzip vom "in der Gegenwart bleiben" auf folgende Weise: Der Sinn der Stellung ist es nicht, erst seinem Bein entgegenzufallen und sich schließlich in eine passable Endhaltung zu bringen. Vielmehr gilt es, von Beginn an die Wesensmerkmale der Haltung auszuüben und zu spüren. Damit verschwindet die zeitliche Ausrichtung während der Haltung (jetzt stehe ich aufrecht und dann bin ich in Trikonasana), denn man übt Trikonasana vom aufrechten Stehen an bis zur Endhaltung. Diese Ausrichtung kennt kein davor und danach, es bleibt - die Gegenwart. Ganz so einfach war es aber dann doch nicht und so verbrachten wir geraume Zeit bei der Ausführung von Dreiecken.

Jeder der drei Tage (Freitag abend, Samstag und Sonntag) begann mit dem Singen der Anrufung an Patanjali, ganz nach dem Vorbild von Mr. Iyengars Institut in Pune. Der Samstag endete mit einer Fragestunde. Dabei ließ uns Mary gewisse Stellungen noch mal machen, um einigen Erklärungen einen gewissen Nachdruck zu verleihen. Anschließend gab es ein wohlverdientes, ausgiebiges Buffet.

Ich würde gerne auch etwas kritisches schreiben, um den Bericht ein wenig objektiver erscheinen zu lassen, doch mir fällt leider nichts ein. So bleibt mir nur ein großes Dankeschön an Mary Dünn und die Hoffnung, bald wieder in einem ihrer Seminare dabei zu sein.


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