Yoga in Hohenlohe-Franken mit Dr. Karl Baier

von B. und K. Zugck

Dr. Karl BaierSchon zum dritten Mal war Karl Baier an dem Wochenende vor Ostern in der Yoga-Schule in Reubach, einem kleinen Dorf zwischen Rothenburg ob der Tauber und Crailsheim, zu einem Wochenend-Seminar zu Gast. Ein Großteil der Teilnehmer hatte schon unter seiner Anleitung geübt und war deshalb auch diesmal auf seine Körperarbeit nach Iyengar sowie seinen stets interessanten philosophischen Vortrag gespannt. Sein Unterrichtsstil und seine Schwerpunkte waren teilweise geprägt von seinem letzten Aufenthalt am Institut in Poona und durch die dort geführten Gespräche mit Sri B.K.S. Iyengar.

Der Freitagabend begann mit intensiven Dehnungen und Drehungen in den Standhaltungen. Karl betonte hierbei immer wieder wie wichtig es ist, die Asanas mit "Citta" und "Prana" zu füllen. Es genügte ihm nicht, nur über die Dehnung Länge zu schaffen, sondern den neugewonnenen Raum auszufüllen mit Wachheit und Lebensenergie. Immer wieder nahm er bei seinen Anweisungen bildhafte Beispiele zu Hilfe. Dadurch gelang es den Teilnehmern besser, die angesagten Asanas in seinem Sinne auszuführen. Den Abschluß dieses Seminartages bildete ein Vortrag mit dem Thema: "Erfahrung - Religiöse Erfahrung". Hierbei grenzte Karl deutlich und scharf die durch die Wissenschaft gemachten empirischen Erfahrungen von denen über das eigene Erleben gewonnenen Erfahrungen ab. Im Gegensatz zu ersteren kann durch diese ursprüngliche Erfahrung der ganze Mensch in Bewegung kommen und durch ein schöpferisches Auf-Sich-Nehmen dieser Erfahrungen zur Verwandlung des ganzen Menschen beitragen. Nach Karl entstehen durch das Gehen des Yoga-Weges besondere Erfahrungen. Dieser Weg hat jedoch nicht die Struktur der Autobahn, sondern er entsteht erst dadurch, daß der Mensch ihn bewußt geht. Das Festhalten an der Ichbezogenheit behindert ursprüngliche Erfahrungen. Das Erleben religiöser Erfahrungen setzt ein Sich-Öffnen voraus. Religiöse Erfahrung meint, daß dem Erfahrenden etwas aufgeht, was darüber hinausgeht; versäumt man es, hat man alles versäumt, davon hängt in einem letzten Sinn das eigene "Heil" ab.

Der Samstag begann erneut mit Standhaltungen; anschließend wurde sehr viel Wert auf Leistenöffnung (Bhekasana, Supta Virasana) gelegt. Danach folgte eine Sequenz von Balance-Haltungen (Bakasana, Bhujapidasana, Lolasana). Nach Sirsasana und Sarvangasana rundete das gesamte Seminar intensives Pranayama im Liegen als auch im Sitzen ab.

Abschließend bleibt festzustellen, daß es Karl durch seine konsequente und erfahrene, auch therapeutische Arbeit überzeugend gelungen war, Hatha Yoga nach Iyengar den Teilnehmern noch näherzubringen.


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