Iyengar, das Feuer des Mitleids

von Mark Harelik

Mark Harelik ist Schauspieler, Schriftsteller und Yogi. Er war sechs Wochen im November/Dezember 1994 in Pune.

Seit Anfang meiner Iyengar-Yoga-Praxis habe ich Geschichten von der Mißlaune B.K.S. Iyengars gehört: von den Schlägen und Ohrfeigen, Tritten, Anpöbelungen und Erniedrigungen. Seine Widersacher, obwohl aus meiner Sicht wenige an der Zahl, haben nichtsdestotrotz sehr energisch ihre Verachtung in die Welt hinausposaunt. "Bist du immer noch bei dem Schimpf- und Schmähyoga? Da mußt du wohl noch eine schlechte Elternbeziehung aufarbeiten müssen! "

Sogar meine liebsten Lehrer haben dieses jähzornige Bild heraufbeschwört. Manouso Manos wollte, daß ich eine bestimmte Bewegung in der Haltung schaffe. Da schaute er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und fragte "Hast du jemals von Mr. Iyengar einen Klaps bekommen?" Nein, hatte ich nicht, aber der Gedanke daran brachte mich so aus der Fassung, daß ich, statt lange zu überlegen, die Bewegung doch kriegte. Alle lachten. Sie schienen alle die Bedeutung der Frage verstanden zu haben: "Hast du je einen Klaps von Mr. Iyengar bekommen?" Wer noch keinen bekommen hatte, wußte natürlich nicht, warum er lachte, außer, daß er mit mir die gleiche Reaktion auf einen Schrecken hatte - flüchten, kämpfen oder lachen. Oder, in meinem Fall, mich in der Haltung richtig bewegen.

Diejenigen im Raum, die einen Iyengar-Klaps erlebt hatten, lachten aus anderem Grund. Diesen Grund verstehe ich nun auch selber, weil ich kürzlich von Mr. Iyengar geohrfeigt wurde. Und geschlagen. Und angeschrien. Und getreten. Fünf Tage wöchentlich einen Monat lang. Und beim Abschiednehmen am letzten Tage kniete ich und berührte seine Füße mit der Stirn, weil er mir ein Geschenk gegeben hat, das ich bis ans Ende meiner Tage behalten werde, egal ob ich weiter Yoga übe oder nicht. Es war kein Geschenk des Schreckens, des Mißbrauchs, der Grausamkeit oder Arroganz. Es war ein Geschenk von Liebe, Mitleid, Freigebigkeit und für mich am überraschendsten: mächtige Selbstachtung.

Bei Mr. Iyengar Unterricht zu haben, oder nur im Raum zu sein bei seinem Unterricht, ist gleichsam das Wesen der Yoga-Praxis zu entdecken, aber auch sofort die eigene Beziehung zur Praxis zu verstehen. Häufig ist es ungemütlich, die persönliche Beziehung zur eigenen Yoga-Praxis (soll heißen: zu sich selbst) zu betrachten. Weil wir unerbittlich das Bequeme suchen. Wir möchten gelobt werden. Wir möchten Erfolg haben. Wir möchten vor anderen eine tolle Figur machen. Wir möchten unser Erscheinungsbild verbessern und unseren Fortschritt im Spiegel erleben. Und wir möchten das Gutheißen unserer Lehrer.

Vom Letzteren bekommt man sehr wohl von Mr. Iyengar, jedoch nicht in der erwarteten Form.

"Du bist ein Problem. Du machst es sehr schwierig für mich zu unterrichten." Dies war praktisch das erste, was er mir sagte. Warum? Ich habe mich bemüht. Ich war wißbegierig. Ich habe gearbeitet, so hart ich konnte.

"Gib mir einen Anfänger mit keinerlei Yoga-Erfahrung und ich kann ihn unterrichten. Gib mir einen Mittelstufler (oder einen der sich für einen hält) und ich. muß mit seiner Arroganz fertig werden."

Arroganz? Ich konnte mir nicht vorstellen, seiner Lehre mit mehr Offenheit zu begegnen. Doch als ich anfing, mit ihm zu arbeiten, nahm ich wahr, daß mein Körper voll war mit der Arroganz von vermeintlichem Wissen. Mit der Arroganz der Erfahrung. Mit der Arroganz wiederholter Ausführung von Ungenauem. (Er meint, "der Unterschied zwischen Anfänger und Mittelstufler ist, daß der Mittelstufler eine verkehrte Haltung länger halten kann.") Und ausgerechnet mit der Arroganz, ihn mit meinem Können beeindrucken und in seinen Augen gut abschneiden zu wollen. Es ist nicht schwierig zu sehen, daß dies für das Lernen schlechthin ein massives Hindernis ist, geschweige denn bei der Aufgabe, meiner Wenigkeit etwas beizubringen. Und die Summe dieser Steine der Arroganz ist ein Mauer des Stolzes, ob bewußt oder nicht. Bei praktisch jedem Schüler von Mr. Iyengar ist diese das größte, und vielleicht einzige Hindernis.

Nun im Westen haben wir eine Kultur entwickelt, die sehr auf unser Gefühl der Selbstachtung abgestimmt ist; manche meinen, die Kultur dreht sich ja bloß darum. Wir sind abhängig davon, daß unsere Lehrer unsere Selbstachtung nähren. Lob. Schulterklopfen. Sanfte, vorsichtige Ermunterung, immer mit einem Auge aufs empfindliche Gemüt. Und der größte Hemmschuh aller Reifung, das Bedürfnis nach individueller Aufmerksamkeit. (Bin ich wichtig für dich? Sind dir meine speziellen Bedürfnisse bewußt? Und in diesem Augenblick? Schaue nicht so sehr auf ihm, schaue zu mir! Und was meinst du zu mir??) Wir haben so eine Selbstachtungs-Abhängigkeit institutionalisiert.

Ein komisches Merkmal unserer Selbstachtungs-Abhängigkeit ist, daß, obwohl wir dauernd die Zustimmung und das Lob unserer Lehrer brauchen, verlangen wir gleichzeitig, daß sie unseresgleichen sind. Es ist eine unerträgliche Überforderung unserer Selbstachtung, uns selbst auf einen niedereren Rang als jemand anderen einzustufen. Ich bin Zeuge dieser Überforderung bei den westlichen Schülern am Institut in Pune gewesen. In Indien gibt es eine uralte Tradition der Jüngerschaft. Bei der Guru-Jünger Beziehung bekommt der Schüler die Lehre von einem erfahreneren, erleuchteteren Menschen als Geschenk. Der Guru ist häufig auch der einzige Lehrer des Schülers, im Gegensatz zu unserem Bildungsweg im Selbstbedienungsrestaurantstil (sei es geistige oder sonstige Bildung). ich habe mich eher mit den ausländischen Schülern in Pune aufgehalten, habe aber doch von keinem einzigen indischen Schüler von Mr. Iyengar gehört, der über ihn gemeckert oder zweideutig vom ihm gesprochen hat. Dabei haben es viele Westler (mit markanten Ausnahmen natürlich) nötig gehabt, seinen Unterricht zu kritisieren. Während sie sein Können lobten, mußten sie auch über sein "Ego" deuteln. ("Schau nur, wie die Wände mit all den Fotos von ihm tapeziert sind.") Während sie einerseits sein kraftvolles Unterrichten schätzten und davon profitierten, konnten sie nicht davon lassen, alte Geschichten über Leute weiterzugeben, die von ihm verletzt oder terrorisiert würden. Für den Ängstlichen ist Trost darin, Mr. Iyengar als arrogant oder mißbrauchend zu etikettieren. Es ist der Trost, Demut zu verweigern.

Wie Geeta einmal im Unterricht bemerkte: "Der Atman ist in diesem Augenblick gegenwärtig und ihr widerstrebt, ihr zögert, ihr hinterfragt und ihr verneint." (Der Atman ist das Selbst, unsere wahre Natur, die in jeden von uns innewohnt.)

Glücklicherweise bringen wir immer zwei Schüler in uns mit, wenn wir in den Yoga-Unterricht kommen: das Gehirn und den Körper (ein dritter soll weiter unten erwähnt werden). Das Gehirn einerseits bringt Stolz und die Fähigkeit zu beobachten und zu verstehen mit, der Körper aber eingefahrene Gewohnheiten und die Fähigkeit, instinktiv zu reagieren. Diese zuletzt aufgeführte, der Reaktionsinstinkt des Körpers, ist es, was Mr. Iyengar als sein wichtiges Werkzeug verwendet.

Eine der ersten Haltungen, in die Mr. Iyengar mich einführte, war eine Variation von Trikonasana. Er zog an meinen Händen (auf ziemlich grobe Weise, dachte ich), so daß meine Arme in eine ungewohnte Richtung gedehnt waren. Dann klatschte er gegen eine Stelle am oberen Pektoralis, was bewirkte, daß meine Schulter zurückrollte und die Oberseite meines Nackens länger wurde. Ich kann nicht wirklich sagen, daß ich den Klaps spürte. Ich hörte es, ein lautes whack, aber, anstatt eines Schmerzes spürte ich eine Bewegung. Er hat meinen Körper sozusagen direkt angesprochen. Der Zug am Arm, die Drehung des Kopfes und der Klaps wurden alle so schnell und mit solcher Präzision ausgeführt, daß sich mein Körper richtig in die Haltung begeben hat, noch lange bevor mein Gehirn wußte, was los war.

Später erfuhr ich die gleiche "direkte Kommunikation" in Sirsasana. Er gab mir drei bestimmte verbale Anweisungen, wenige Worte und scharf gesprochen, und dann einen Tritt in der Mitte des oberen Rückens. Wieder habe ich nicht so sehr den Tritt gespürt wie die Bewegung, die sie verursachte. Ich habe auch gemerkt, daß ich genauso auf seine Stimme reagiert habe: ich hörte und bewegte mich, noch bevor irgendwelchen Gedanken gekommen sind. Er spricht scharf und kraftvoll - ein verbaler Tritt - und schafft damit eine Bewegung im Körper, ungehindert durch das sich überlegende Gehirn.

"I hint and nothing happens. I hit and something happens." ("Mache ich Andeutungen, geschieht nichts. Haue ich drauf, dann tut sich was.")

Dies ist eine bewußt von ihm eingesetzte Technik, um das Gehirn zu umgehen, das nur ungern Veränderung befielt und seine Aufgabe darin sieht, das Bestehende zu bewahren.

Diejenigen, die gespannt seine Arbeit in den therapeutischen Klassen dienstags und mittwochs zugeschaut haben, haben die Ausübung von einer fast unglaublichen Meisterschaft gesehen. Wie ein Schachmeister, der sich mit dreißig Gegnern gleichzeitig anlegt, geht er von Mensch zu Mensch, jeder mit einem anderen medizinischen Problem. jeder arbeitet mit einer anderen Serie und er verändert die Serien ständig, doch erinnert er sich an alles. Besonders in diesen Stunden hat er viel mit Angst zu tun. Menschen mit Verletzungen, mit inneren Problemen, vorsichtig und tastend, sind ihm eine große Herausforderung. Bei jedem muß er auf andere Weise an der Zögerlichkeit und dem Widerstand vorbeikommen, was er aber muß, um eine Veränderung zu erzielen. Folglich hat man das Bild eines Bullen oder eines Super-Helden im Schalkragen, der grollend, schreiend, verlangend und klatschend durch den Raum wütet. Und doch, wenn er einen der übenden Patienten verläßt, um auf den nächsten loszugehen, hat jener meistens ein Lächeln - nein, ein Grinsen der Begeisterung - im Gesicht. Ein ungeschulter Besucher möge fragen, "Wer ist dieser schreckliche Mann und warum lassen sich diese Leute das alles gefallen?" Dieser Person entgegne ich, Sie sehen gerade pures Mitleid in die Tat umgesetzt.

Wie die verletzten Schüler in den therapeutischen Unterrichtsstunden begegnen wir ständig Abgeneigtheit in unserer eigenen Praxis. Unsere Körper und Gehirne sind wohl in der Lage, sich unseren Willen zu widersetzten. Mr. Iyengar kann diesen Widerstand durchbrechen, was bezeugt, daß der Körper doch auf Willensäußerungen reagiert - von irgend jemandem. Und durch Schrei oder Klaps oder sonstige plötzliche Methoden der Entwaffnung, versorgt er den Schüler mit dem Willen, der später aus dem Schüler selbst hervorquellen wird.

Diese Art von Entwaffnung ist derart effektiv, daß sie einen schockieren kann. Als ich diesen Schock gesehen bzw. erlebt habe, war das Ergebnis ein energetisches Entzücken, weil er meine latente Kraft von innen hat aufsteigen lassen, wie wenn man den Deckel eines Vulkans wegträte. Es gibt auch andere Reaktionen auf diesem Schock: Zorn. Verdruß. Ist aber die Konfrontation mit diesen Emotionen nicht ein wichtiger Teil unserer Yoga-Praxis? Bedeutet die Suche nach Selbst-Bewußtsein, daß die schwächeren, ängstlicheren Aspekte unserer zitternden Natur weiter am Leben erhalten werden müssen durch (Entschuldigung) Verhätschelung?

Für Yoga-Übende wohnt dem Anfang eines jeden Tages eine Herausforderung inne, demütig die Wege und Hindernisse des Selbst-Bewußtseins zu erforschen. Im Westen gibt es immer wieder Versuche, die Yoga-Praxis im Sinne unseres genußsüchtigen Geschmacks - in Einklang mit unseren bequemen Selbsttäuschungen - neu zu definieren.

Ich bin Mr. Iyengar dankbar dafür, daß er mir meine Selbstachtung selbst überlassen hat. Yoga ist eine Disziplin, wie erfolgreiches Leben auch. Es verlangt Stärke und Bewußtsein sich zu verwandeln, sich zu entwickeln, Schmerz zu begegnen. Hätte er die Verantwortung für meine Selbstachtung übernommen, so hätte ich es ihm hedonistisch auch hingegeben, und mich leider dabei verkrüppelt. Meine Stärke muß von Innen kommen, vom gleichen Ort, wo der Guru letztendlich wohnt.

Mr. Iyengar äußert sich offen zu seinen Sorgen um dieses Bild von ihm als mißbrauchenden Lehrer. "Weil ich schreie, sagen sie, daß Mr. Iyengar ein schlechter Lehrer sei." Und doch, ihm zuzuschauen, oder besser, mit ihm zu arbeiten bringt seine unerbittliche Hingabe und Liebe zum Vorschein. Es ist nicht zu verleugnen, daß es schwierig ist, mit ihm Schritt zu halten. Bei Verzögerungen wird er ungeduldig. Sein einziger Widersacher ist die Uhr; deshalb ist die größte Verfehlung, seine Zeit zu verschwenden. Er hat nur zwei Stunden, mit einem Raum voll von Patienten effektiv zu arbeiten. Er mag es nicht, darauf zu warten, daß eine Decke ordentlich zusammengelegt wird oder daß Klötze gesammelt werden. Durch sein eigenes Leben im Yoga hat er gelernt, auf Unschlüssigkeit und Verzögerung zu verzichten. Er ist besonnen, präzise und unglaublich geschickt, sowohl im Körper wie im Geist. Aber ich habe nie Zorn gesehen. Ich habe gesehen, wie er ein zorniges Gesicht anlegte, ähnlich wie sich ein Kubuki Darsteller eine Grimasse im Gesicht malt, doch immer schimmert unversteckbar das Humor durch. Sein Lachen ist immer im Gesicht, sogar wenn er zu Unterrichtszwecken ein anderes Gesicht darüberzieht.

Während ich bei ihm lernte, wurde es mir klar, daß der Charakter seines Unterrichts im großen Maße durch den Charakter des Schülers beeinflußt wird. Er erzählte mir "Wenn jemand mit Demut zu mir kommt, werde ich zehnmal so demütig sein. Wenn jemand mit Arroganz zu mir kommt, werde ich zehnmal so arrogant sein." Oberflächlich scheint dies in sich eine arrogante Aussage zu sein. Ich höre daraus, daß, je nach dem was für einen Menschen ich bin, so einen erkenne ich in ihm. Einer, der bei anderen Mißbrauch im Spiel vermutet, wird ihn bei Mr. lyengar finden. jemand, der Anteilnahme und Mitleid sucht, werde sie bei Mr. Iyengar finden. Weil seine Lehre einen Aug' in Aug' mit sich selbst bringt.

Wie bei Shakespeare: "Wem es schwindelig ist, der meint, die Welt dreht sich."

Mr. lyengar bringt auch seine ungebrochene Sorge darüber zum Ausdruck, wie seine Lehre weitergegeben wird. Es wird gesagt, daß Iyengar-Yoga die am weitesten verbreitete Methode des Hatha-Yoga der Welt ist. Und doch sein Unterrichten beruht auf Genialität und der Verfeinerung von Jahrzehnten des Übens und Studierens. Wie kann man sich auf seine Schüler verlassen, seine Lehre akkurat weiterzugeben, die für ihre Präzision, Genauigkeit und Sauberkeit ist?

Sicher, ein offensichtlicher Weg ist, Jahre der hingebungsvollen Übung, praktische Unterrichtserfahrung und eine rigorose Prüfung von einem Iyengar-Yoga-Lehrer zu verlangen. Ein anderer Weg, einer, der nur in Pune oder bei einem der seltenen Kongressen zu begehen ist, ist sicherzustellen, daß jeder Iyengar-Yoga-Lehrer es dessen bewußt bleibt, daß er/sie ein Schüler von Mr. Iyengar ist. Er macht alles in seiner Macht, einen daran ständig zu erinnern. "Ich muß mit meinen Lehrern am schärfsten ins Gericht gehen. Ich muß ihren Stolz vernichten, denn, wenn sie wieder in den Westen zurückgehen, trage ich immer noch die Verantwortung."

Noch mal, die Übung heißt Demut, unabhängig von Erfahrung: ein hingebungsvoller Schüler zu bleiben, offen für Verwandlung und Selbst-Erforschung.

Dies ist einer der vielen Wunder des Yoga. Wenn man sich ihm mit Ehrlichkeit, mit den offenen, neugierigen und hingebungsvollen Herzen eines Schülers herannähert, wird man sich selbst sehen und beobachten, wie dieses Selbst sich verändert und entwickelt. Wenn man es als Widersacher begegnet, wird es einen bestrafen und verletzen. Wenn man mit Stolz und Arroganz auftritt, wird man mit dem unabänderlichen Bild des eigenen Selbstes konfrontiert, man wird es aber nicht merken. Man wird immer glauben, es ist der anderer, oder alle, oder Yoga selbst, oder das Auto vor ihm.

Ich habe Mr. Iyengars Lehre praktisch als direkte Verbindung zum Bewußtsein empfunden. Er hat mir Demut, Leidenschaft, Entzücken und ein lebendiges Gefühl von Wachsamkeit gelehrt. Er hat mir gelehrt, daß die drei Schüler in mir, mein Geleit zum Atman, sofort verfügbar sind und sich entweder als Dämonen oder Engel manifestieren werden. Das Gehirn ist der Schüler, der durch seine Reaktion auf meinen Willen entweder stolz oder aufmerksam ist. Der Körper ist der Schüler, der durch seine Reaktion auf meinen Willen zwanghaft sich wiederholend oder empfindsam und empfänglich ist. Und der dritte Schüler ist mein Geist, der durch Selbst-Beobachtung und Aufrichtigkeit erweckt wird und der mich in das Yoga hineinlotsen kann, wie Virgil Dante durch die himmlische Gemächer, oben wie auch unten.

In meiner Praxis heute höre ich Mr. Iyengars Stimme wie ein Glocke. Ich spüre seinen Fuß in meinem Rücken, seine Handfläche auf meiner Brust. Er hat sie in mir eingepflanzt, wie er sagt, "wie ein Laser des Geistes," und mich dabei gelehrt, daß ich immer ein Schüler bin, daß es immer mehr Bewegung gibt, mehr Demut, mehr Licht. Es ist wegen dieses Geschenkes, dieses Mißbrauchs, dieser Grausamkeit, daß Mr. Iyengar für mich Guruji heißt.

Dieser Artikel ist erstmals in dem Newsletter des Iyengar Yoga Associaion of Southern California erschienen. Wir bedanken uns für die Genehmigung, es hier in Übersetzung zu veröffentlichen.

Übersetzung aus dem Amerikanischen (C) 1996 Michael Forbes


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