Einführung in Pranayama von B.K.S. Iyengar

Dieser Artikel erschien in "Rahasya". Übersetzung von Rita Keller

Der menschliche Körper besteht neben dem "Denken", Intellekt, Ich, Bewußtsein und Seele aus 5 Elementen, nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther.

Diese 5 Elemente werden die 5 Hüllen des Körpers genannt, d.h. die physische Hülle (annamaya kosha), die physiologische Hülle (pranamaya kosha), die mentale Hülle (manomaya kosha), die intellektuelle Hülle (vijnanamaya kosha) und die Glückseligkeitshülle (anandamaya kosha). Diese 5 Elemente haben direkten Einfluß auf die 5 Handlungsorgane. Diese sind Arme, Beine, Mund, Zeugungs- und Ausscheidungsorgane. Ihre 5 feinstofflichen Entsprechungen sind: Klang, Tastsinn, Gestalt, Geschmack und Geruch. Diese feinstofflichen Qualitäten werden wahrgenommen durch die 5 Sinnesorgane, nämlich Ohren, Haut, Augen, Zunge und Nase.

Der Mensch

Seele (Purusha)

Natur (Prakriti)

 

Natur (Prakriti)

Kosmische Intelligenz (Mahat)

Bewußtsein (Citta)

Intellekt (Buddhi)

Ego (Ahamkara)

Vishva-chaitanya-shakti

(Pancha prana)

Prana

Apana

Samana

Udhana

5 Elemente (pancha nahabhuta)

5 feinstoffliche Qualitäten (pancha tanmatra)

5 Hüllen (pancha kosha)

5 Handlungsorgane (jnanendriyas)

5 Wahrnehmungsorgane (karmendriyas)

In der Chandogya Upanishad wird gesagt, daß die Augen zu prana vayu, die Ohren zu vyana vayu, die Zunge zu apana vayu, die Nase zu samana vayu und die Haut zu udhana vayu gehören. So wie Mahat (kosmische Intelligenz) sich im Menschen zu citta (Bewußtsein), buddhi (Intellekt), ahamkara (Ich) und manas (Denken) transformiert, so teilt sich auch die kosmische Energie (vishvachaitanya-shakti) im Körper in prana, apana, samana, udhana und vyana.

Die 5 Pranas (Vayus), ihr Sitz und die Element, die sie verkörpern

5 Pranas Sitz laut Ayurveda & Yoga Funktionen von Prana in unserem Körper Die Elemente, die sie verkörpern
Prana Gehirn, Brust Atmung Wasser
Apana Taille, Oberschenkel, Uterus, Hoden, Rektum Ausscheidung, Fortpflanzung Erde
Samana Dünn- und Dickdarm, Magen Verdauung, Integration der anderen Systeme Feuer
Udhana Kehle, Nase, Bronchien, Zwerchfell Spirituelle Erleuchtung Äther
Vyana Herz, gesamter Körper Nervensystem Luft

Das Gehirn und der Thorax-Bereich sind das Zentrum von Prana, welches die Atmung kontrolliert und die Lebensenergie des Atemsystems die atmosphärische Energie absorbieren läßt. Apana mit seinem Sitz im Unterbauch kontrolliert und scheidet Urin, Samen und Kot aus.

Samana mit Sitz im Nabelbereich heizt das gastrische Feuer, unterstützt die Verdauung und harmonisiert die Funktion der anderen lebenswichtigen Luftarten. Diese Energie integriert alle Systeme im Menschen vom Atem-, Kreislauf, Verdauung-, Nerven-, Drüsen-, Zeugungs- bis hin zum Ausscheidungssystem. Udhana mit Sitz in der Kehle, kontrolliert die Stimmbänder, das Ein- und Ausatmen von Luft, die Nahrungsaufnahme und fungiert als Tor zur Erfahrung des 4. Zustandes "turiya". Vyana ist überall, es durchströmt den ganzen Körper und bringt Energie zu den bedürftigen Teilen des Körpers.

Die Chandogya Upanischade erklärt die große Bedeutung von Prana durch den Dialog zwischen Narada und seinem Lehrer Sanatkumara. Lehrer Sanatkumara möchte von Narada wissen, bevor er ihn als Schüler annimmt, was er wisse, um ihn weiter belehren zu können. Narada erzählt, er kenne alle Veden, itihasas, puranas, die Grammatik, Vorschriften für die Gottesverehrung, Mathematik, die Wissenschaft des logischen Denkens, Ethik, Etymologie, die Wissenschaft der Kriegführung, Astronomie, die feinen Künste etc., kenne aber niemanden, der "purusha" kenne.

Er sagt "ich bin traurig und es läßt mich nicht los. Führe mich, sodaß ich frei von Traurigkeit werde, indem ich 'purusha' kenne".

Sanatkumara erklärt, daß die Veden nichts als Namen (Worte) seien, deren Weitergabe durch Sprechen dem Aspiranten zu höherem Wissen verhelfen.

Er fährt fort und sagt, daß das Denken höher zu bewerten ist als die Sprache, der Wille höher zu bewerten ist als das Denken, der Intellekt höher als der Wille, die Kontemplation höher als der Intellekt, Verständnis höher als die Kontemplation, Stärke höher als das Verständnis (da die Wahrheit enthüllt wird), Nahrung höher als Stärke, Wasser höher als Nahrung, Feuer höher als Wasser, Äther oder Raum höher als Feuer, Erinnerung höher als Raum, das Streben höher als Erinnerung und prana (vayu = Wind) höher als das Streben.

Denn wenn prana stirbt, sterben all diese Dinge.

Deshalb ist prana all dies.

Die Lebenskraft oder - Energie und absolutes Bewußtsein (prana und prajna) zusammen sind "jivatman" oder "purusha".

Um purusha oder jivatman zu kennen, muß man Energie oder prana verstehen.

Auch in anderen Upanishaden finden wir Heilige und Yogis, die die große Bedeutung von prana hervorheben und wie die Techniken um prana als pranayama entwickelt wurden.

Fortsetzung im nächsten Heft.


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