FROM VANITY TO DIVINITY
Bericht über den Pranayama-Intensive vom Februar 96.

von Rita Keller und Birgit Hamm

Dem Pranayama-Intensive war die internationale Yoga-Woche mit Guruji in Rishikesh am Ganges vorausgegangen. Dort begeisterte er über 250 Teilnehmer aus vielen Ländern und Kontinenten. Immer wieder gab es "Standing Ovations" für Iyengar während der Asana Pranayama-, oder Question & Answer- Stunden, der nichts von seinem Wissen zurückhielt, wenn es darum ging, Verständnis für bestimmte Punkte zu entwickeln.

Die Puja, am Ende der Woche, bei der alle Teilnehmer sich noch einmal persönlich bei B.K.S. Iyengar bedankten, zeigte in bewegender Weise die Wertschätzung und Liebe für ihn.

Der Pranayama-Intensive, der dann am RIMYI Institut in Pune folgte, zeigte, welch unglaubliche Tiefe im Yoga liegt. B.K.S. Iyengar legte Schicht für Schicht frei, führte uns vom Grobstofflichen zum Äther, machte uns jedes Element und seine Entsprechungen klar, ließ uns eintauchen in einen Bereich von bisher unbekannten Schwingungen.

Als Guruji das Ende unserer Erfassungsvermögens erkennt, sagt er" Seid froh, daß Gott mich nicht mehr gesegnet hat" und an anderer Stelle, sehr bescheiden "Das ist alles, was ich Euch geben kann."

Birgit Hamm beschreibt in ihrem Brief an Karl Baier ihren Eindruck:

Lieber Karl,

FROM VANITY TO DIVINITY - so faßte Guruji am letzten Tag des Pranayama-Intensive zusammen, was er uns in 10 Sitzungen versucht hatte zu vermitteln. Es waren tatsächlich Sitzungen, denn das liegende Pranayama hatte Guruji - als Vorbereitung für den anschließenden Pranayama-Intensive schon in Rishikesh unterrichtet. In Puna zeigte Guruji dann an 10 Tagen was für ihn nach 62 Jahren wesentlich am Pranayama geworden ist: Eine Stunde lang demonstrierte er - anschließend durften wir selbst eine halbe Stunde lang probieren. Details in Hülle und Fülle: Von der Haut auf dem Hinterkopf bis zu den kleinen Zehen, überall mußte gemessen und ausbalanciert werden und während man an des Eine dachte, vergaß man das Andere und vor lauter Anstrengung, nichts zu vergessen wollte sich der entspannte Gesichtsausdruck und die unverkrampfte Körperhaltung (selbst bei den sogenannten Senior-Teachers) nicht auf Anhieb einstellen. Dabei waren es eigentlich nur Basics, die Guruji von uns verlangte.

Aber schon das symmetrische Sitzen in Sukhasana wollte trotz Einsatz von Stoffstückchen und Kleenex unter Füßen, Buttocks und Schienbeinen nicht so recht gelingen, oder wurde sofort wieder aus der Balance gebracht, wenn man die rechte und linke Seite des Zwerchfells wie zwei gleichmäßige Regenschirme spannen, die Haut in der Nierengegend wie zwei Flügel weiten, und in die Armpit-Chest atmen sollten, ohne dabei die Mitte der Brust aufzublasen. All das mußte man in Kumbhaka halten, nach der Einatmung, wenn der Atman nach oben gestiegen war und wenn Seer und Seeker sich für einen langen Moment dort vereinigten. Wir alle fühlten, wie schön es wäre, wenn ... gleichzeitig aber wurde klar, daß es sich während 1 1/2 Stunden Unterricht nicht umsetzen ließ. Aber hatte Guruji nicht sowieso gesagt, daß Pranayama zu unterrichten ein Ding der Unmöglichkeit ist?

Als Der MEISTER anläßlich des Pranayama-Abendessens, bei dem alle 55 Teilnehmer anwesend waren, "Hof hielt", fragte ich ihn, ob er enttäuscht sei, daß wir seinen genialen Anweisungen nicht besser folgen konnten. Seine Antwort war schnell und wie üblich überraschend: "Pranayama braucht seine Zeit, ich gebe Euch vier Jahre - wenn Ihr es bis dahin nicht gelernt habt, bin ich enttäuscht.". Diese spontane Großzügigkeit hat ihm wohl selbst gut gefallen, denn als er einige Zeit später eine kleine Rede hielt, wiederholte er meine Frage und seine Antwort - und alle waren froh über die vier Jahre Gnaden-Frist!

Allerdings ließ sich auch eine sofortige Wirkung der Pranayama-Bemühungen feststellen: Das ständige Streben, die fünf verschiedenen Bewußtseinschichten des Körpers und ihre Entsprechungen zu durchdringen, erleichterte die Arbeit in den Asanas, die bei soviel Subtilität richtig "gross" und sehr "down-to-earth" erschienen. Der Rest ist Üben!


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