Women's Intensive am RIMYI in Pune, Januar 1997

von Rita Keller

Auf Anregung von Lois Steinberg (USA) hatte Gita Iyengar sich nach dem Intensivkurs in Panchgani, Indien (zum 75. Geburtstag von B. K. S. Iyengar) bereiterklärt, ein Intensivseminar für Frauen zum Thema "Frauen und Yoga" bzw. "Yoga für Frauen" durchzuführen. Angeregt dazu hatte Gita auch die Feststellung, daß doch weltweit mehr Frauen als Männer üben und mehr Frauen als Männer unterrichten.
Gleich beim Einführungsnachmittag faßte sie das Thema weit - machte klar, daß alle Stationen im Leben einer Frau, alle Aspekte des "Frauenlebens" eingehend behandelt werden würden. Sie stellte den Unterschied zwischen Mann und Frau, zwischen männlichem und weiblichem Körper, sowie die unterschiedlichen biologischen und sozialen Funktionen dar.
Sie machte den Unterschied in den Denkweisen klar, basierend auf biologischen Funktionen, und forderte die Frauen auf, sich auf ihre Fähigkeiten, ihren Körper, ihre Andersartigkeit zu konzentrieren und aufzuhören, mit dem Mann in eine Art "männlichen Wettbewerb" einzutreten, was leider auch im Yoga häufig zu sehen sei.

Die besonderen Merkmale der Frau im Vergleich zum Mann:

Letzteres sieht man auch in den Yogaklassen: Frauen mögen fast immer die ruhigen, sanften Haltungen, Männer sind interessiert an mutigen, imposanten Asanas.
Auf die Stationen im Leben einer Frau bezogen, erklärte sie die hormonellen Auswirkungen von Schwangerschaft, Geburt, Prämenopause, Menopause, Postmenopause und ihre Auswirkungen auf das gesamte "Sein". In umfassender Asana- und Pranayamaarbeit (für mich war es "Einsteinarbeit") betonte Geeta, unterstützt von Guruji, die Bedeutung klarer Arbeit an der Körperstruktur. Ziel dieser klaren Arbeit ist das reibungslose Funktionieren der einzelnen Körpersysteme und im besonderen des hormonellen Systems.
Dabei betonte sie den "Bauch als Indikator für das Richtige Üben".
Die intensive Asanaarbeit am Morgen wurde in kleinen Gruppen direkt im Anschluß protokolliert. Das gleiche galt für die Pranayamaklassen am Nachmittag. Zusätzlich wurden weitere Gruppen eingerichtet, denen jeweils 8-10 Haltungen zugeteilt wurden, deren Ausführung sie entsprechend den o.g. Stationen zu verändern und zu erweitern hatten. Am Ende entstand ein umfangreiches Ergebnis. Teile daraus wurden in der Reihe "Yoga in Action" anläßlich des Instituts festes demonstriert.
Es war für mich der intensivste Intensive, den ich je erlebt habe, auch weil ich als einzige deutsche Teilnehmerin mit Frauen aus der ganzen Weit zusammentraf und wir gemeinsam feststellen durften, daß Probleme und Belastungen, ob schwarz, braun oder weiß, überall gleich sind.

Gita öffnete ihre Schatzkiste und vermittelte Wissen, das sie in jahrzehntelanger Arbeit mit Frauen erworben hat. Sie machte uns sensibel für die Notwendigkeit der Präzision des Iyengar Yoga, um den Frauen einen ihnen gemäßen Zugang zum Yoga zu geben. Sie forderte, daß wir dieses Wissen nicht für uns behalten, sondern direkt weitergeben. Ich brauche jedoch noch ein bißchen Zeit der Konsolidierung.
Am 19 und 20. Juli 1997 werde ich in einem Workshop den Versuch einer Zusammenfassung wagen.
Es bleibt mir nur noch, mich bei den besten Lehrern dieser Welt zu bedanken.


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