Yoga in der Heilkunst

von Rita Keller

Der Text basiert auf einem Vortrag, der von Rita beim Jahrestreffen der IYVD 1997 gehalten wurde.

Yoga ist eine subjektive Kunst und Wissenschaft.

Die klassische Medizin ist eine objektive Kunst und Wissenschaft.

Yoga ist ein sehr altes System (ca. 6. 000 Jahre alt), das der Überwindung der Leiden des Menschen auf allen Ebenen des Seins dient. Am Ende der Überwindung der Leiden steht die Vereinigung des Mikrokosmos "Mensch" mit dem Makrokosmos. Oder die Einswerdung mit dem Göttlichen oder die Erfahrung absoluter Intelligenz, Samadhi oder die Auflösung von Dualitäten.

Yoga wurde nicht an die breite Masse weitergegeben, sondern war den Priestern und Göttern vorbehalten.

Nachfolgend ein paar Textstellen, um den Stellenwert des Yoga in der Tradition klar zu machen:

Krishna zu Arjuna:

"Der Yogi ist größer als der Asket, der Gelehrte oder der Mann der Tat; darum sei ein Yogi, oh Arjuna." (Bhagavadgita)

"Allein das Wissen des Yoga befähigt einen Intellektuellen, dessen Verstand ruhig

geworden ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und den Kurs seines Lebens kundig zu steuern." (Bhagavadgita)

Shiva zu Parvati:

"Oh, Parvati, Gelehrte, Einsiedlerin, Gerechte und die, welche die Sinne beherrscht. Sogar Gott selbst kann Befreiung nicht ohne das Streben nach Yoga erlangen." Und an einer anderen Stelle:

"Beim Studium aller heiligen Schriften und Wissenschaften und beim wiederholten Nachdenken darüber entsteht die Überzeugung, die Kunst und Wissenschaft des Yoga wäre die einzig wahre und beständige Lehre." (Shiva Samhita 1,17).

Der Weise Patanjali hat ca. 400 v. Chr. mit dem "Urquell des Yoga, die grundlegende Schrift des Yoga verfaßt.

In der 2. Sutra des 1. Kapitels heißt es dort:

"Yoga citta vrtti nirodhah"

("Yoga bedeutet die Herrschaft über die Schwankungen des Verstandes, der Vernunft und des Ego.")

So wie das aufgewühlte Wasser eines Sees den Mond nicht klar widerspiegelt, kann auch ein unruhiger Geist die Seele nicht richtig reflektieren.

Nur ein klares Bewußtsein spiegelt die Seele wider.

Dieses klare Bewußtsein ist nur durch konsequente Übung zu erlangen. In der Hatha-Yoga-Pradipika (1,66) von Svatmarama heißt es: "Vervollkommnung erlangt man weder durch das Tragen safranfarbener Gewänder noch durch Diskutieren; sicher aber läßt sie sich im Tun und mit beharrlicher Übung erlangen."

Worin besteht nun die Übung?

Es ist ein achtgliedriger Pfad, bestehend aus:

Yama - gibt die Do's und Don'ts für das soziale Verhalten oder die äußere Disziplin (Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtbegehren, Mitgefühl, geschlechtliche Enthaltsamkeit).

Niyama - gibt die Do's und Don'ts für den Umgang mit sich selbst oder die innere Disziplin (Sauberkeit, Zufriedenheit, Eifer, Selbststudium, Hingabe an Gott)

Asanas - Übung von Körperhaltungen zur Erlangung körperlicher Disziplin

Pranayama - Übung von Atemtechniken zur Erlangung mentaler Disziplin

Pratyahara - Disziplin der Sinne

Dharana - Konzentration

Dhyana - Meditation

Samadhi - Einswerdung, Selbstverwirklichung, Erleuchtung

"Das Studium der 8 Teile des Yoga führt zur Reinigung von Körper, Geist und Verstand, die Flamme der Erkenntnis wird am Leben gehalten und die Urteilskraft entspringt ihr." (11, 28)

Wer nicht am spirituellen Aspekt des Yoga interessiert ist, kann ihn natürlich auch nur üben, um gesund an Körper, Geist und Seele zu bleiben und nach dem Satz aus der Yogashika Upanishad handeln:

"Der Körper ist ein Haus, eine Wohnstätte, wo die Seele wohnt. Darum streife Unwissenheit ab und verehre den Körper als Gottes Zuhause."

Jeder Anfänger beginnt mit Asanas = Körperhaltungen.

Erst später, wenn der Körper eine gewisse Durchlässigkeit, einen bestimmten Tonus hat, werden Atemtechniken = Pranayamas hinzugenommen.

Auch der fortgeschrittene Yogi übt Haltungen

a) um so seinen Körper zu stärken und zu kräftigen,

b) um genauso wie der Anfänger die Tausende von Energiekanälen (nadis) im Körper blockadefrei zu halten,

c) um in den Zellen und in den Energiezentren (chakras) Energie zu speichern, um für schlechte Zeiten gewappnet zu sein.

Bevor wir uns nun im einzelnen den Haltungen zuwenden, schauen wir uns den menschlichen Körper einmal genauer an:

Der menschliche Körper umfaßt Billionen und Trillionen von Zellen, die in Größe und Form variieren.

Die Funktion einer Zelle hängt von ihrem Platz im System ab.

Eine Zelle im Nervengewebe hat mit der Weiterleitung und Produktion von elektrischen Impulsen zu tun, wohingegen eine Zelle in einem Verdauungsorgan für die Absonderung bestimmter chemischer Stoffe sorgt, die bei der Verdauung helfen. Trotz unterschiedlicher Funktionen bleibt der grundlegende Charakter der Zellen gleich.

Der Zellkern kontrolliert alle Aktivitäten in der Zellfunktion, wohingegen die Zellmasse sich um die Ernährung der Zelle kümmert. Sie sorgt für Sauerstoff, Wasser, Protein, Kohlenhydrate und Fett sowie für Mineralien und Vitamine, die für das Überleben (Fortbestehen) der Zelle notwendig sind.

In der yogischen Terminologie kann der Mensch als kristallisierte Energie in einer Masse definiert werden, die aus den 5 Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther besteht. Die 4 Elemente Erde, Wasser, Feuer und Wind bilden die Körpermasse.

Sie ist eingesponnen in das alles durchdringende Element: Äther.

Diese Körpermasse ist auf bestimmte Weise genetisch vorprogrammiert und variiert von Person zu Person.

Jede Zelle dieser Billionen von Zellen hat eine sich selbst speisende Energie, die wir "bio-kosmische Energie" oder "Pranashakti" nennen.

Die Aktivität in einer Zelle wird durch verschiedene biochemische Prozesse ermöglicht. Dieser biochemische Prozeß in einer Zelle wird Metabolismus genannt.

Metabolismus wird weiter unterteilt in Anabolismus und Katabolismus. Anabolismus steht für die Zellaktivitäten wie Wachstum und Reproduktion, wohingegen Katabolismus für den Abbau dieser Aktivitäten steht.

Normalerweise sind Anabolismus und Katabolismus in der Balance.

Während der Jugend und bis zur Lebensmitte etwa sind die anabolischen Aktivitäten jedoch höher und wenn der Alterungsprozeß beginnt, steigen die katabolischen Aktivitäten.

Der menschliche Körper hat 2 Systeme. Auf der einen Seite gibt es das voluntäre (willkürliche) System, welches die muskuloskeletalen Organe umfaßt: wie Muskeln, Gelenke und Knochen, die unter willentlicher Kontrolle des Nervensystems stehen. Auf der anderen Seite gibt es das unwillkürliche, das vegetative System, das die Atemorgane, Blutkreislauf, Nerven, Verdauungsorgane, das endokrine System, die Genitalien, das Ausscheidungssystem und besondere Sinnesorgane wie Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut umfaßt.

Dieses System wird vom sympathischen und parasympathischen Nervensystem kontrolliert. Es gibt keine willentliche Kontrolle und es arbeitet völlig nach dem Prinzip von "Angebot und Nachfrage", wobei Emotionen bei der Aktivierung und Unterdrückung der Funktionen verschiedener Organe in diesem System eine größere Rolle spielen.

Im normalen Leben arbeiten das willkürliche und das unwillkürliche System mit Hilfe des Nervensystems Hand in Hand zusammen. Diese 2 Systeme können in 3 Gruppen eingeteilt werden;

a) das periphere Nervensystem, das die Muskeln und Gelenke mit Energie versorgt

b) das autonome Nervensystem, das die vegetativen Organe mit Energie versorgt

c) das zentrale Nervensystem, das alle Organe mit "unterscheidender Intelligenz" "vivekaja guyanam" kontrolliert.

Das reibungslose und harmonische Funktionieren der willkürlichen und unwillkürlichen Systeme kann durch Krankheit sowohl physischer als auch mentaler Art gestört werden.

Der normale Alterungsprozeß verlangsamt ihr Funktionieren und der Tod bringt das Funktionieren nun ganz zum Stillstand.

Patanjali beschreibt das Ziel des Yoga als "heyain dukham anagatam", was heißt, daß die Yogapraxis vor zukünftigen Schmerzen schützt (Schmerzen, die für die Zukunft vorherbestimmt sind).

Das regelmäßige Üben von Asanas (Haltungen) schützt den Körper.

Das geschieht auf 2 Wegen, einmal durch das willkürliche und zum anderen durch das vegetative System des Körpers.

Das willkürliche System, das die muskuloskeletalen Organe umfaßt, wirkt direkt durch das zentrale Nervensystem. Die Wirkung von Asanaarbeit auf das vegetative System ist indirekt. Alle Bewegungen der willkürlichen Muskeln, Gelenke und Knochen gehorchen dem Zentralen Nervensystem, das das Cerebrum = das Großhirn und das Rükkenmark umfaßt.

Willentliche, vom Intellekt gesteuerte Bewegungen des willkürlichen Systems, werden vom Cerebrum kontrolliert und die Reflexhandlungen vom Rückenmark.

Bei einem neugeborenen Kind sind die Bewegungen der willkürlichen Muskeln reine unwillkürliche Handlungen. Sie werden erst ganz allmählich durch den Lernprozeß unter die willentliche Kontrolle des Cerebrums gebracht. Vom Drehen auf den Bauch bis zum Stehen und Gehen müssen viele Yogasanas (Haltungen) unter der Anleitung eines Gurus - der zu der Zeit fast immer die Mutter ist - gelernt werden.

All diese Bewegungen bestehen in einer genetisch vorprogrammierten Form und werden im Gedächtnis gespeichert.

Ein Kind lernt dies alles sehr schnell innerhalb von l 1/2 bis 2 Jahren.

Sobald die Kunst des Gehens und Stehens unter die willentliche Kontrolle des Cerebrums gebracht wurde, werden diese Bewegungen programmiert und im Gedächtnis gespeichert. Einmal gespeichert, sind sie jederzeit abrufbereit. Aufgrund von wiederholter und ständig verlängerter Übung von verschiedenen Bewegungssequenzen werden alle Bewegungen in mechanische Reflexhandlungen umgewandelt, die nun der Kontrolle des Rückenmarks unterstehen und jederzeit ohne Konsultation des Cerebrums ausgeführt werden können.

Bewegungen werden also automatisch und natürlich.

Wenn das einmal erreicht ist, paßt sich jede Zelle dem neuen Charakter der Spezies an, die Information wird in den Genen gespeichert und an die nächste Generation weitergegeben. Das ist das Geheimnis des menschlichen Wesens, das ohne große Schwierigkeit auf zwei Beinen gehen kann.

Sobald Handlungen wie die aufrechte stehende Haltung automatisch werden, zeigen sie - bedingt durch die Gene - ihre Beschränkungen, sowie das Minimum als auch das Maximum an Geschick.

Bei Pferden findet man z.B., daß eine bestimmte Zucht einer Pferderasse besonders viele Preise gewinnt. Das trifft auch auf den Menschen zu. Defekte bei einer Haltung bei einem Elternteil - also Vater oder Mutter - sind in gewissem Ausmaß auch bei ihren Kindern sichtbar. Diese Beschränkungen in jedweder automatischen unwillkürlichen und natürlichen Handlung können mit Hilfe von Training verändert werden. Da das musculoskeletale System der willentlichen Kontrolle untersteht, ist es leichter, seine Grenzen zu verändern durch bestimmte Lernprozesse, wie z.B. das Üben von verschiedensten Yogahaltungen. Durch regelmäßiges Üben, basierend auf den grundlegenden Prinzipien der Bio-Mechanik, erreicht man das Meistern der Haltungen.

Dies ermöglicht, die Beschränkungen der Bewegungen des musculoskeletalen Systems des Menschen zu modifizieren und zu überwinden.

Im Großen und Ganzen gibt es drei Grundprinzipien der Bio-Mechanik der "Yoga-Haltung".

l. Der "Punkt der Erdung". Er ist in jeder Haltung anders und wird durch die Schwerkraft verstärkt. (Beispiele: Paschimottanasana, Sirsasana, Tadasana) = Grundenergie.

2. Der Stütz-, Dreh- oder Ruhepunkt (engl.: "fulcrum point"), bei dem die Bewegung im Asana durch die Kontraktion einer Muskelgruppe und der Entspannung der gegenüberliegenden Gruppe erreicht wird. Bei der Kontraktion der Muskeln zum Knochen wird das Blut zum Knochen gepreßt, was die Blutbildung beeinflußt.

3. Das Halten = Stehen = Arbeiten in der endgültigen Haltung über eine ausreichende Zeitdauer, das physiologische Veränderungen beim Funktionieren der verschiedenen willkürlichen Systeme bewirkt.

Bei allen Trainings- oder Bewegungsformen sind die Bewegungen mechanische, wiederholte Reflexhandlungen, die den cerebralen Cortex in die Ausführungen der Aktionen nicht miteinbeziehen.

Deshalb gibt es ohne einen zusätzlichen Aufwand an Energie keine Verbesserung in Genauigkeit und Perfektion.

Mit dem Alterungsprozeß werden die Gelenke steifer und der Muskeltonus wird geringer. Die Bewegungen werden in ihrer Ausführung immer schwächer.

Der Schlüssel des Yoga - insbesondere des Iyengar-Yoga - ist die Veränderung des Streckreflexes, wobei mehr Kontrolle des Cortex (äußerer Teil des Großhirns) über die Aktivitäten des musculoskeletalen Systems bewirkt wird.

Das schafft perfekte Balance zwischen dem Output an Arbeit und dem Aufwand an Energie. Die Energie wird also auf optimale Weise genutzt für das Funktionieren und wenig Energie wird in Form von Hitze (Schweiß etc.) verschwendet.

(Normalerweise ist das Verhältnis 25% Nutzung: 75% Hitze [Schweiß]).

Der Schlüssel des Yoga ist, daß jeder Muskel im Körper auf seine volle Kapazität hin trainiert wird. Dies verbessert die Zellversorgung aller Muskeln mit Nährstoffen und hilft, die toxischen Produkte des zellulären Metabolismus schneller abzubauen. Durch das Üben der Vielfalt von Haltungen = Asanas werden größere Bereiche des motorischen und sensorischen Cortex geweckt, sowie der Bewegungsradius eines jeden Muskels verbessert, was wiederum dazu beiträgt, die Knochen und Gelenke in die korrekte Ausrichtung zueinander zu bringen (alignment) und so am Ende eine perfekte Balance zwischen der linken und rechten Seite des Körpers zu erreichen.

Sobald beide Seiten symmetrisch werden, wird unnötiger Streß auf die Organe des vegetativen Systems beseitigt und langsam aber sicher werden alle Organe des Körpers unter bewußte Kontrolle gebracht.

Für uns Yogis ist die Ursache fast aller Erkrankungen und der Ansatz zur Heilung in der fehlenden Balance, im fehlenden Alignment zu suchen.

Ein Mensch, der über korrekte Körpermechanismen verfügt, hat einen leichten anmutigen Gang, weil er nur ein Minimum an Anstrengung und Arbeit erfordert.

Es ist eine harmonische Einheit der Bewegung, bei der keine Energie verschwendet wird. Die meisten Menschen sind weit davon entfernt, diese Bedingungen zu erfüllen, sodaß sie sich beim Gehen und Stehen unnötig anstrengen.

Wie bei allen physikalischen Körpern kann man den Energieverlust für Deformationen der Stützmechanismen und Gelenke verantwortlich machen.

Dabei ist klar hervorzuheben, daß die Wirbelsäule die inneren Organe stützt.

Wenn aufgrund von Infektion, metabolischer Störung oder Degenerierung das physiologische Funktionieren der Zelle gestört ist und auch die anatomische Struktur verzerrt ist, ist Krankheit das Ergebnis.

Das physiologische Funktionieren der Zelle beinhaltet vielfältige biochemische Aktivitäten. Im Falle von Krankheit sind diese Aktivitäten gestört. Man kann mit Gabe von medizinischen Mitteln: allopathisch, homöopathisch, ayurvedisch etc. versuchen, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Mit Hilfe der Chirurgie kann man die erkrankten Teile entfernen.

Durch das Üben von verschiedenen Yogahaltungen können jedoch die meisten der degenerativen und metabolischen Krankheiten auf Dauer geheilt werden. Dies ist möglich, weil "Asanas" eine direkte Wirkung auf den Metabolismus der erkrankten Zelle haben.

In jeder Yogahaltung werden die verschiedenen Organe für einen längeren Zeitraum in eine unterschiedliche anatomische Architektur gebracht.

Das stört die physiologischen Aktivitäten einer jeden Zelle.

Dieser Prozeß lehrt jede Zelle - auch unter ungewöhnlichen Umständen, wie sie absichtlich im "Asana" geschaffen werden, normal zu funktionieren.

So erhöht sich z.B. der Blutdruck zu Beginn des Kopfstandes und veranlaßt das gesamte System blutdrucksenkend zu arbeiten. Darüber hinaus wird die Pulsfrequenz gesenkt. Daran mag man die Wirkungsweise von Yogahaltungen erkennen.

Beim Yoga-Prozeß werden verschiedene Methoden wie Wringen, Spreizen (Dehnen), Befeuchten und Trocknen, Wärmen oder Erhitzen und Kühlen eingesetzt.

In allen Vorwärtsbeugen werden die inneren Organe des Bauchraums gepresst und gleichzeitig wird das Gehirn befeuchtet (bewässert) und gekühlt. In Rückwärtsbeugen findet genau der umgekehrte Prozeß statt, hier werden die Organe des Bauchraums gedehnt, die Nieren gewrungen (kontrahiert), das Herz reguliert, die Lungen geweitet und die Wirbelsäule und das Gehirn stimuliert (Feuer).

Bei den Standhaltungen werden Muskeln, Gelenke und Knochen der Extremitäten mehr Streß und Anspannung unterworfen als bei Rück- und Vorwärtsbeugen. Bei Drehhaltungen (lateralen Drehungen) werden alle Organe der Brust und des Bauchraums gewrungen. Umkehrhaltungen wirken trocknend auf Beine und Genitalien, gleichzeitig werden vitale Organe wie Gehirn, Herz und Lungen in Blut gebadet.

Durch das Üben von Iyengar-Yoga über einen längeren Zeitraum wird der physiologische Alterungsprozeß vom chronologischen Alterungsprozeß getrennt.

Im Forschungszentrum für Psychobiologie und Psychosomatik der Universität Trier sind die Effekte des Yoga-Trainings auf psychische, endokrine und immunologische Parameter bei Brustkrebspatientinnen untersucht worden.

Die Studie ergab nach 8 Wochen täglichen Übens eine Verdoppelung der natürlichen Killerzellen (was man auch evtl. mit Spazierengehen, Schwimmen etc. erreichen kann). Was jedoch signifikant ist, ist die Aktivität der Killerzellen. Sie war um mehr als das doppelte höher als in der Kontrollgruppe.

Sri B.K.S. Iyengar hat den therapeutischen Yoga bahnbrechend durch den Einsatz von Hilfsmitteln verbessert. So können Patienten die für sie vorgesehenen Haltungen passiv, d.h. auch länger, ohne große Anstrengung üben und so in den Genuß der Wirkung dieser Haltungen kommen. Die Haltungen werden dem Patienten angepaßt und nicht umgekehrt.

Quellennachweis:

B.K.S. Iyengar: "Licht auf Yoga"

Geeta Iyengar: "Yoga für die Frau"

Dr. F. J. Chandra: "Med. and phys. aspects of headstand"

Dr. Karandika: "Healing aspects of Yoga"

Moshe Feldenkrais: "Der Weg zum reifen Selbst"

Dr. F. Gabriel: "Effekte eines Yoga-Trainings"


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