SRI T. Krishnamacharya (1888-1989)

Eine Leitfigur der indischen Kulturtradition

von Mauricette Arweiler


Am 22. und 23. November 1997 sollte in Sévrier bei Annecy (nahe der schweizer Grenze) der 108. Geburtstag Sri. T. Krishnamacharyas gefeiert werden. U. a. standen drei hochinteressante Vorträge auf dem Programm:

. "Yoga und die spirituelle Erhebung des Menschen (B.K.S. Iyengar);

. "Die verschiedenen Gesichtspunkte der Lehre von Sri. T. Krishamacharya (T.K. Sribhashyam);

. "Der Yoga Valli und die Kommentare von Sri. T. Krishnamacharya: die Yogasutren des Patanjali" (T.K.V. Desikachar).

Doch leider kam es anders und das Ganze wurde abgesagt. Schade! schade! schade! daß uns diese einmalige Gelegenheit versagt blieb, solch große Meister - zudem noch aus derselben Schule - zusammen erleben zu dürfen.

Dennoch oder vielleicht gerade deshalb möchte ich hier eine freie Übersetzung des in der Nr. 3 von "Yogasara", die Zeitschrift der "Association Française de Yoga Iyengar, Paris" erschienenen Beitrags wiedergeben.

(...)

"In Indien ist die Zahl 108 heilig. Nach den Veden hat der Schöpfer bei der Erschaffung des Universums 108 Gottheiten eingesetzt um das Universum zu verwalten. Später, in der Mythologie, besaßen alle Götter und Göttinnen 108 Namen.

Heute setzt sich die Tradition von Satanama oder Namenskette fort und wird anläßlich des 108. Geburtstages eines spirituellen Meisters gefeiert. In der indischen Kultur erreicht ein Meister, dank seiner Lebensweisheit, 108 Jahre nach seiner Geburt den Rang einer Gottheit. Dieser 108. Geburtstag nehmen seine Nachkommen zum Anlaß, ein großes Fest zu veranstalten, um ihm Ehre zu erweisen.

Dieses Jahr (97) ist diese Feier Sri T. Krishnamacharya, dem Meister Gurujis, gewidmet.

SRI T. Krishnamacharya 1888 im Süden Indiens geboren, gehörte Sri T. Krishamacharya einer Famillie von Philosophen und spirituellen Meistern an. Er studierte in Benares und in Calcutta die verschiedenen Systeme der indischen Philosophie sowie Yoga im Himalaya.

Er wurde an den Hof des Maharadschas von Mysore eingeladen, begann dort die königliche Familie in Yoga zu unterrichten und lehrte Philosophie am Mysore Sanskrit College. Zur gleichen Zeit erhielt er regelmäßig Einladungen aus ganz Indien, um an philosophischen Streitgesprächen, auf die er sich besonders gut verstand, teilzunehmen. Er beherrschte ca. 15 indische Sprachen, außerdem war er Astrologe, Musiker und ein ausgezeichneter Koch.

Im Laufe der Jahre entwickelte er die Unterrichtung des Yoga, wobei er niemals die Praxis von der Philosophie trennte. Bereits 1935 empfing er seine ersten europäischen Schüler. Er lebte bis 1954 in Mysore. Danach ging er nach Madras, wo er bis zu seinem Tode 1989 blieb.

Er unterrichtete auch seine Frau Srimathi Namagiriammal und seine sechs Kinder. Srimathi Namagiriammal war die Schwester von B.K.S. Iyengar. Sri T. Krisnamacharya begann Iyengar in Yoga zu unterrichten als dieser noch ein junger Knabe war und bei seinem Lehrer wohnte, so wie es die alte Tradition vorschreibt. Mit 15 begann auch er (B.K.S. Iyengar) zu lehren, man vertraute ihm die ersten Schülerinnen der Königshöfe an.

Zwei Söhne Krishnamachryas haben ebenfalls ihr Leben dem Yogaunterricht gewidmet: Sri T.K.V. Desikachar und Sri T. K. Sribhashyam.

Sri T. Krishnamachrya hat stets die Belohnungen, die ihm die Königshöfe anboten abgelehnt. Er lebte vom bescheidenen persönlichen Einkommen und hat auch mehrere Ehrenposten zurückgewiesen, um frei und wahrhaftig in seiner Lehre zu bleiben. Er lebte mit seiner Frau und seinen Kindern in einfachen Verhältnissen.

Im Alltag praktizierte er streng die hinduistische Religion, war jedoch sehr respektvoll gegenüber jedem anderen religiösen Gedankengut, dem traditionnellen wie dem gegenwärtigen. Er schenkte jedem Wesen gleiche Beachtung.

Sri B.K.S. Iyengar, Sri T.K.V. Desikachar und Sri T.K. Sribhashyam sind die engsten Schuler des Meisters. (...)

[Zusammengefaßte Auszüge eines Textes, der von T.K. Sribhashyam verfaßt wurde, sie basieren auf persönliche Erinnerungen sowie Anmerkungen von Sri B.K.S. Iyengar.]

© Das Foto stammt aus dem Buch "70 Glorious Years of Yogacharya B.K.S. Iyengar", Light on Yoga Research.


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