B.K.S. Iyengars kurze Ansprache
beim Empfang nach der Pressekonferenz am 10.10.1996

Wir sind uns so nahe gekommen, ohne einander zu kennen. Ich glaube, auf der ganzen Welt gibt es keine Nation, die weder in wirtschaftlicher noch in mentaler Hinsicht so gelitten hat wie Sie.

Ich möchte nicht auf den geschichtlichen Hintergrund eingehen. Aber Sie haben gelitten. Aufgrund des Leidens, sowohl physischer und mentaler, als auch emotionaler Art, sind sie mehr als andere in der Lage, Yoga zu machen.

Es gab Verurteiteilungen und sie lassen langsam nach. Das ist ein gutes Zeichen.

Ich war in beiden Teilen Berlins. Sie nennen sie Ost- und West-Berlin. Ich sagte sofort, nennt es nicht Ost und West, nennt es Neues und Altes Berlin. Sie sagen: Wir waren geteilt. Jedes Individuum ist tief im Inneren gespalten. Sie mögen denken, die depressive oder gespaltene Persönlichkeit möge sich laut erklären. Aber wir kämpfen im Inneren.

Wir suchen und kämpfen, um die Einheit zu erreichen, d.h. die Einheit des inneren und äußeren Bewußtseins. Das ist nicht nur der physische Körper, von dem wir alle sprechen. Da gibt es das Bewußtsein, das sich im peripheren Bereich bewegt, das Bewußtsein, das näher bei der Intelligenz ist. Bewußtsein ist nicht gleich Bewußtsein. Das Bewußtsein ist gespalten wie durch eine Mauer, so wie die Mauer Berlin gespalten hat. Ein Teil des Bewußtseins ist näher bei den Sinnen, der andere Teil ist näher bei der Intelligenz und bei der Seele. Wenn wir die Mauer in uns selbst abreißen, und zwar mit Hilfe des Yoga, dann erfahren Sie nicht nur selbst den wahren Frieden, sondern geben ihn der ganzen Welt.

Wir sind zerrissene Persönlichkeiten. Das alles wird ein Ende haben. Das Gewissen in uns ist stärker als das Bewußtsein. Einheit des äußeren Bcwußtseins mit dem inneren Bewußtsein und umgekehrt ist die wahre Quelle des Glücklichseins.


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