Yoga

B.K.S. Iyengar

Hatha-Yoga nach Iyengar

B.K.S. Iyengar-Yoga-Vereinigung
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Yoga

Der Yoga ist eine Kunst, eine Wissenschaft und eine Philosophie. Seine Wirkung erstreckt sich auf alle Ebenen des menschlichen Lebens: die körperliche, die mentale und die spirituelle. Yoga ist eine praktische Methode, durch die wir unserem Leben Richtung, Sinn und Würde geben können.

Wie Honig immer süß ist, gleich aus welchem Teil der Wabe er stammt, so ist es auch mit dem Yoga: Ganz gleich, von welchem Bereich der menschlichen Natur wir sprechen - er bringt jeden Teil von uns in Einklang mit unserem Wesenskern, dem bewußten "Seher" in uns. Wer sich im Yoga übt, lernt die innere und äußere Welt wahrzunehmen und zu erleben. Er wird mit der göttlichen Freude der gesamten Schöpfung in Berührung kommen und diesen Nektar göttlichen Reichtums und Glücks dann mit anderen teilen können. ...

Der Yoga ist jedem ein Freund, der sich ihm aufrichtig und ohne Vorbehalt zuwendet. Wer sich im Yoga übt, wird von Schmerz und Kummer befreit, er lebt sein Leben in ganzer Fülle und echter Freude. Die Praxis des Yoga macht den Körper aktiv und energiegeladen. Sie verwandelt Verstand und Gemüt und stellt Harmonie zwischen beiden her. Der Yoga sorgt dafür, daß Körper und Geist in Einklang mit der Essenz, der Seele, bleiben, so daß alle drei in eines verschmelzen.

Iyengar, B. K. S.: Der Urquell des Yoga. Barth Verlag 1995, S.10


Die Übung des Yoga gibt ein entscheidendes Gefühl für Maß und Proportion. Auf unseren Körper bezogen, bedeutet dies, daß wir unser wichtigstes Instrument zu spielen und die größte Resonanz und Harmonie daraus zu ziehen lernen. Mit unermüdlicher Geduld verfeinern und beseelen wir jede Zelle, wenn wir täglich zum Angriff übergehen, um die sonst brach liegenden und zur Erstarrung verurteilten Fähigkeiten zu erschließen und wieder lebendig zu machen.

Jeder unausgefüllte Bereich von Gewebe und Nerven, von Gehirn oder Lunge verlangt unseren Willen und unseren ganzen Einsatz, wenn wir ihn nicht der Frustration und Erstarrung aussetzen wollen. Wer jemals den Vorzug hatte, Herrn lyengars Aufmerksamkeit zu erhalten, oder Zeuge der Genauigkeit, Verfeinerung und Schönheit seiner Kunst wurde, ist jener Vollendung und unschuldigen Harmonie begegnet, in der der erstgeschaffene Mensch im Garten Eden - ohne Waffen und ohne Scham, als Sohn Gottes, des Herrn der Schöpfung - lebte. Der Baum der Erkenntnis hat vielerlei Frucht hervorgebracht: süße, giftige, bittere, heilsame - je nachdem, wie der Mensch sie benutzt. Aber wäre es heute nicht notwendiger denn je, den Baum zu pflegen und seine Wurzeln zu ernähren? Überdies: Wie gefährlich ist diese Erkenntnis für jene, die mit sich selbst in Unfrieden leben und die ihr Wissen lieber für die Handhabungen anderer - Menschen und Dinge - einsetzen, als für die Verwirklichung ihres Selbst?

Die Yogaübungen, die ich während den letzten fünfzehn Jahren ausgeführt habe, überzeugten mich davon, daß die meisten unserer grundlegenden psychischen Haltungen dem Leben gegenüber ihre physischen Entsprechungen im Körper haben. Darum sollten Vergleich und Kritik damit beginnen, daß wir die linke und rechte Seite unseres Körpers so aufeinander einstellen, daß wir in der Lage sind, selbst feinere Korrekturen auszuführen. So können wir unseren Körper, unter Überwindung der Schwerkraft durch Willensstärke, von den Zehenspitzen bis zum Scheitel durchstrecken. Triebkraft und Zielgerichtetheit mögen mit dem Gefühl für Gewicht und Geschwindigkeit durch frei schwingende Glieder beginnen, anstatt mit der Beherrschung einer nicht nachlassenden Gleichgewichtshaltung auf einem oder beiden Füßen oder auf den Händen, welche uns Ausgeglichenheit gibt. Ausdauer erreichen wir, wenn wir längere Zeit in verschiedenen Yogastellungen durchgestreckt verharren, während wir Ruhe durch gleichmäßiges starkes Atmen und Ausweiten der Lungen erwerben. Kontinuität und ein Gefühl für das Universale entstehen im Zusammenhang aus dem Wissen um die Notwendigkeit einer Wechselbeziehung von Spannung und Entspannung im ewigen Rhythmus des Ein- und Ausatmens, der einen Zyklus, eine Welle oder eine Schwingung der Myriaden von Schwingungen darstellt, die das Weltall ausmachen.

Yehudi Menuhin

Iyengar, B. K. S.: Licht auf Yoga. Barth Verlag 1990, S.9 (Geleitwort)


Letzte Änderung: 07.08.1999  

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